„Das Krimischreiben kommt mir für die eigene Psychohygiene sehr entgegen.“ – Lisa Lercher im Interview

Eine Tote in der blauen Donau findet Major Paul Eigner gar nicht schön. Der Ermittler steht vor einem Rätsel: Wer hat Sonja König, den Männermagnet aus dem neuen Therapiezentrum im Dorf, auf dem Gewissen?

„Jenseits auf Rezept“ von Lisa Lercher spielt im Herzen der Wachau und garantiert behagliches Lesevergnügen mit Gänsehaut-Faktor!

Welche SchauspielerInnen die Autorin für eine Verfilmung engagieren würde und ob sie schon vor dem Schreiben weiß, wer der Täter ist, verrät sie uns im Interview.

 

Wann und warum hast du dich dazu entschlossen, Kriminalgeschichten zu schreiben? 

Ich hab immer schon gern geschrieben, obwohl mich mein Deutschprofessor nicht unbedingt dazu ermutigt hat – um es neutral zu formulieren. Auch verliere ich mich oft und ausgiebig in Tagträumen und gehöre zu jener Gattung Mensch, die sich die Sorgen von übermorgen am besten schon vorgestern detailreich ausmalt. Da kam mir das Krimischreiben für die eigene Psychohygiene sehr entgegen. Dass ich mich mit meinen Figuren gefahrlos in die bedrohlichsten Situationen begeben kann, ist ein großer Vorteil meines Autorinnendaseins. Nicht zuletzt habe ich mehrere meiner Krimis als Transportmittel für sozialpolitisch wichtige Themen, z.B. Gewalt in der Familie, genutzt und mich so mit Fragen befasst, die mir ein Anliegen sind.

 

In deinem neuen Krimi „Jenseits auf Rezept“ wird eine Frau tot aus der Donau gefischt. Nach welchen Kriterien entscheidest du, wo die Leiche gefunden wird?

Mord und Auffindungsort müssen atmosphärisch zum Schauplatz passen. Für einen Wachaukrimi hat sich da natürlich die Donau angeboten.

 

Du arbeitest bei der Bundesverwaltung und bist gleichzeitig Krimiautorin – bleibt da überhaupt noch Zeit für dich zum Bücherlesen? Wenn ja, welche Bücher liest du am liebsten?

Ich bin lesetechnisch eine „Allesfresserin“, besonders gerne mag ich derzeit Reportagen. Erst unlängst hat mich ein Reisebericht über die Erforschung des Kongos (nein, es war nicht T.C. Boyles Wassermusik) so gefangen genommen, dass ich mitten in der Nacht aufgewacht bin und weiterlesen musste. Auch Krimis gehören zu meinem Standardmenü, englischsprachige bevorzugt im Original.

 

Dein Krimi „Die Mutprobe“ wurde 2006 verfilmt – könntest du dir das auch für „Jenseits auf Rezept“ vorstellen? Wenn ja, welche nationalen oder internationalen SchauspielerInnen würdest du in den Hauptrollen sehen?

Autorin Lisa Lercher lebt und arbeitet in Wien. Foto: Thomas Schenk.

Sollte Hollywood wirklich anrufen, würde ich mir (als bekennender Fan) einen der bekanntesten Glatzköpfe, nämlich Bruce Willis als Major Eigner wünschen und wäre gespannt, ob er mit Meryl Streep ein gutes Geschwisterpaar abgäbe.

In einer deutschsprachigen Produktion hielte ich Wolf Bachofner für eine gute Eigner-Besetzung, Michou Friesz kann ich mir gut als Hanni Nothnagl, noch besser aber als Frau Donabaumer vorstellen. Und für Eigners Vater würde ich Otto Schenk in einer Gastrolle verpflichten.

 

Der Schauplatz deiner Krimis ist oft die ländliche Idylle – könntest du dir vorstellen, dass einer deiner nächsten Morde in einer Großstadt wie New York geschieht?

Grundsätzlich ja. Allerdings ist mir Authentizität wichtig und daher müsste ich mit einer Studienreise nach New York beginnen. Nachdem ich mich gern auf kleinere Biotope konzentriere, würde wahrscheinlich auch eine Großstadtgeschichte im Häuserblock bzw. nahen Umfeld meiner Figuren angesiedelt sein. Anstelle gemächlicher Gemütlichkeit gäbe es atmosphärisch allerdings mehr Großstadthektik. Bis zur Aufklärung des Mordfalls würde es aber so oder so mindestens 200 Seiten dauern.

 

Wenn du einen Krimi schreibst, weißt du schon von Anfang an, wer der Mörder war, oder kann sich das während des Schreibens noch ändern?

Es ist möglich, dass sich eine der Figuren im Verlauf des Schreibens so ändert, dass ich mich entscheide, ihr eine andere Rolle zu geben. Zur Frage: Ja, das kann passieren, wobei ich es gern vermeide, weil damit Handlungsstränge geändert werden müssen und dabei leicht Fehler passieren.

 

Dein letzter Krimi ist zwar gerade erst erschienen, aber hast du schon eine Idee für einen neuen Mordfall?

Ich habe eine eigene Datei, in der ich Ideen sammle. Die müssen dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit nachreifen, damit ich entscheiden kann, ob eine davon einen ganzen Kriminalroman tragen kann. Aktuell ist der Reifeprozess noch in vollem Gang.

 

Lisa Lercher: Jenseits auf Rezept.

 

Für beste Krimiunterhaltung zwischen spannendem Mordfall und ländlichem Leben sorgt Lisa Lercher in „Jenseits auf Rezept“- Hier gehts zum Buch!

Buchtipp

Vom Flüchten und Ankommen, von Sehnsüchten und Hoffnungen: das neue Stück von Peter Turrini.

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