Leseprobe: Blutroter Veltliner

Das idyllische Weinviertel als Schauplatz mörderischen Treibens

Foto: Peter C. Huber

Nach dem rätselhaften Mord an einer jungen Frau stürzt sich Erich Zillinger, Polizei-Postenkommandant in Angern an der March, in die Ermittlungen. Keiner weiß, wer das Opfer ist und warum es sterben musste. Mit dem gemütlichen Dorfleben und den heiteren Gesprächen in den Kellergassen ist es schlagartig vorbei. Als wäre dieser Vorfall für die Bewohner der malerischen Landschaft nicht schon genug, trägt sich ein weiterer brutaler Mord zu … 

 

Leseprobe aus Blutroter Veltliner

Die Sonne strahlte golden am späteren Nachmittag über die Fläche vor Andis Heurigen, wo unter den Bäumen die Tische standen. Es waren schon einige Gäste da, doch waren die Tische noch kaum belegt. Helga und Michl saßen am Rand des Gartens. Helga war wie immer mit einer Handarbeit beschäftigt und Michl las in einem Krimi. Vor ihnen stand ein feucht beschlagener Glaskrug mit Sodawasser und je einem Achterl Weißen mit einem extra Glas für das Soda. Es war ruhig jetzt am Nachmittag, auch die Stimmen der einzelnen Heurigengäste perlten leicht dahin, höchs­tens von einem kurzen Auflachen unterbrochen. Andi kam aus dem Heurigen heraus, eine Stange Wurst in der Hand, und ging freundlich die anderen Gäste grü­ßend hinüber zu den beiden Metzgerischen und setzte sich zu ihnen.

„Servas, es zwa, i hob grod gseng, dass es scho do seids! Schau Michl, do host a Hirschwurst fia de Hüf med da Bache. Donk da sche und lossts es eich schmecken!“

Michl stellte mit einem Augenzwinkern fest: „Da bist du ja fast wie der Jesus mit seinem ‚Aus-Wasser-mach-ich-Wein-Trick‘! Du machst aus einer Sau einen Hirsch! Was es hier am Kellerberg alles gibt!“ Alle lachten fröhlich auf.

„Jo, so schnö gehts ned med ana Sau, oba vo da Hirschwurst hob i no einiges auf Loga. Waunn d’ Sau fertig is, kriagst a no wos!“

„Na, da geht es mir aber gut, dafür, dass ich eigent­lich kaum was getan habe, herzlichen Dank!“ Einen Moment saßen die drei still da und genossen die Stimmung im Gastgarten.

„Sag Andi, was meinst du eigentlich zu der ganzen Geschichte? Mir geht das nicht mehr aus dem Kopf.“

„Geht ma a so … I denk, do wü ana afoch ned, dass ma vo seina Beziehung erfoat. Wiad woi a Hiesiger sei und hot hoit a Vahötnis ghobt. Waun des aussakummt, hot ea den Scheam auf. So wiads sei …“

„Hast sicher Recht, das denke ich auch. Wenn ich aber so überlege, wie sie an den Baum gelehnt wurde oder heute die Blumen, da steckt etwas Melodramatisches dahinter. Wer sie wohl war? Geht sie denn keinem ab?“

In dem Moment kam ein Polizeiauto herangefahren und wurde unter den Bäumen eingeparkt. Erich stieg aus, orientierte sich kurz und kam zum Tisch der drei hinüber.

„Servus miteinander! Ich habe mir gedacht, ich schaue noch einen Sprung vorbei nach dem langen Nachmittag in der Au.“

Andi winkte Gabi, der Kellnerin, zu: „Bringst bitte an Weißen und a Wossa aufs Haus. Nau, Erich, wia is es dia heit no gonga?“

„Lang und heiß wars, was soll ich sagen. War natürlich nichts, gar nichts haben wir gefunden. Nur unnötig herumgestanden und keine Ergebnisse. Bringt uns wirklich nicht weiter. War völlig umsonst, die Tatortgruppe zu rufen und alles wieder absuchen zu lassen. Hat halt sein müssen … Nicht einmal einen brauchbaren Reifenabdruck haben wir bekommen. Wir haben zwar gesehen, dass ein Fahrzeug noch vor dem Parkplatz der Fischer über die Wiese zum Waldrand gefahren sein muss. Der Thomas hat mit seiner Vermutung wohl Recht gehabt. Aber durch den trockenen Boden ist alles so hart, da war nichts Brauchbares zu finden. Damit wissen wir jetzt auch nicht mehr als zuvor, außer dass der Kerl irgendwo in der Gegend herumhängt. Und dass er wohl eine emotionale Bindung zu der toten Frau hat.“

„Wir haben uns gerade dasselbe gedacht, als du her­gefahren bist. Wenn die beiden sich heimlich getroffen haben und der Romeo der schönen Unbekannten nicht will, dass er jetzt bekannt wird, dann wird es schwer!“

Foto: Peter C. Huber

Rosi Mück kam da gerade mit einem Krug Wein und einer Flasche Soda zum Tisch und stellte beides darauf ab, mit noch einigen Gläsern. Rosa war im Heurigen immer hinter dem Buffet, hatte immer ein fröhliches Lächeln für ihre Gäste. Mit ihren knapp fünfzig Jahren war sie schlank geblieben und auch die Haare waren ungefärbt noch dunkelblond. Ihre Lachfalten waren die einzig nennenswerten Falten in ihrem Gesicht und so konnte man sie leicht zehn Jahre jünger schätzen.

„Grüß euch miteinander und bedient euch, wenn ihr was wollt! Ich habe der Gabi gesagt, sie soll mich am Buffet etwas vertreten, damit ich auch etwas zu euch kann. Ist ja noch nicht viel los hier und außerdem muss ich die Gelegenheit nutzen, dir, Erich, von einer Verbrechenswelle zu erzählen! Aber erst sagst mir, wie es Birgit und der Kleinen geht.“

Erichs Gesicht leuchtete beim Gedanken an seine Familie auf: „Ja, danke der Nachfrage, gut geht es ihnen. Wir hatten ein wunderschönes Restwochenende nach dem missglückten Samstag. Wir beide haben etwas viel Sonne erwischt und Angelika jammert noch ein wenig, aber ansonsten alles im grünen Bereich! Aber was meinst du denn mit einer Verbrechenswelle?“ Seine Mimik offenbarte gleich eine kleine Sorgenfalte.

„Na, lass sie bitte recht lieb grüßen und erinnere sie bitte an die Vorbesprechung vom Dorferneuerungsverein für das Bernsteinfest am Donnerstag. Sie weiß dann eh. Ja, hast noch nichts gehört vom Höschen-Fladerer? Seit einigen Tagen verschwindet Frauenunterwäsche von den Wäscheleinen. Meistens nur ein Teil, aber dann eher etwas Netteres. Auch mir wurde heute eine bunte Unterwäsche stibitzt, Andrea Döltl ist recht an­gefressen und von der Monika Obeltzhauser habe ich gleichfalls schon gehört, dass ihr was gefladert wurde. Und bei der Sylvia ist ein Strampelanzug weg. Was sind denn das für Zustände in deinem Revier?“

Andi hatte einen erstaunt fragenden Blick, die Sa­che war für ihn neu. Und sogar seine eigene Frau war unter den „Opfern“. Erich als Gesetzeshüter schaute ebenso ratlos überrascht drein.

„Nein, davon habe ich noch nichts gehört, da hat noch keine eine Diebstahlsanzeige aufgegeben.“

„Na, natürlich nicht, du Dolm … Zu dir werdens kommen und sagen, mir habens mein Höschen gfladert, na sicher net. Als Hiesiger hast du das zu wissen, dafür haben wir dich – so und jetzt weißt es, jetzt kannst deine Augen offen halten! So hat das hier zu funktionieren. Hast mi?“

Zerknirscht den Kopf senkend, nickte Erich als Zustimmung: „Jawohl, zu Befehl, Frau Kommissarin, die Botschaft ist angekommen. Wird gemacht!“

„Ja, schon am Samstag habe auch ich davon gehört“, meldete sich Helga. „Wie gesagt, Andrea hat sich geär­gert und ich habe an einem Nachbartisch etwas in der Art gehört, aber nicht richtig aufgepasst.“

„Sag Erich, die Leich aus der Au, die hat doch auch sonst nichts angehabt …? Gibt es da irgendeinen Fetischisten oder so was?“, wollte Michl wissen.

Erich überlegte. Bisher war es für ihn nichts Besonderes, dass die Tote nur ein Kleid anhatte und nichts darunter. Wenn man ihr das Kleid nachher übergezogen hatte, war es wohl aus Pietätsgründen geschehen. Da ging es nicht um „korrekt“ angezogen sein. Aber es gab ja sonst keine persönlichen Gegenstände der Toten, einfach nichts. War es möglich, dass hier ein Höschen-Sammler-Fetischist mit beteiligt war?

 

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