„Hinter jeder Idylle lauert leider auch das Böse.“ – ein Interview mit Chefinspektorin Edwina Teufel

Nach der erfolgreichen Aufklärung eines Mordes in Sirmione, Arbeit im Fundbüro, mysteriösen Schlangenentdeckungen und gefährlichem Tortellinifestessen sollte Edwina Teufel nun wirklich zur Ruhe kommen. Doch das Gardasee-Sabbatical der Wiener Chefinspektorin, bekannt als „Zornnatter“, verläuft erneut anders als geplant: Kaum angekommen, stolpert sie über einen Hund, wird Zeugin einer rätselhaften Szene und trifft den geheimnisvollen Jungen Peppe Rocco. Ein versuchter Mord mit Verbindungen zu einem Weingut, das auch ihre Freund*innen besuchen, zieht sie mitten in neue Ermittlungen – zwischen Weinbergen, malerischen Gassen und den Ufern des Lago di Garda.

Mit Edwina sprechen wir im Interview über ihren untrüglichen Ermittlersinn, das Jonglieren zwischen Idylle und Gefahr, ihr Bauchgefühl für ungewöhnliche Zusammenhänge und natürlich über ihren Spitznamen und ihr Wutbuch.

Liebe Edwina, du bist mit dem klaren Auftrag an den Gardasee geschickt worden, um zur Ruhe zu kommen und dich zu erholen. Nun hat das bereits zum zweiten Mal nicht wirklich funktioniert. Was ging dir in den Momenten durch den Kopf, als dir klar wurde, dass deine Auszeit erneut ganz anders verlaufen würde als geplant?

Oh, gleich zwei Sachen, ehrlich gesagt.

Zuerst eine kleine Enttäuschung, weil ich den Gardasee als Privatperson schon sehr genieße. Das Schwimmen, das Flanieren, das Eisessen – die Zeit, die ich mir für all die wunderschönen Sehenswürdigkeiten nehmen kann. Ja, das ist toll.

Aber bei einem Verbrechen oder wenn jemand in Not gerät, springt sofort mein Ermittlersinn an. Und mich, als Chefinspektorin, fasziniert es, mich wieder mit einem Fall zu beschäftigen und ein verbrecherisches Rätsel lösen zu können.

 

Du bist ein Mensch, der nicht an Zufälle glaubt. Siehst du in ungewöhnlichen Zusammenhängen grundsätzlich sofort Hinweise oder brauchst du manchmal doch etwas mehr Kontext, um dir ein Bild zu machen?

Da sind wir bei meinem Polizistinnen-Bauchgefühl. Das schlägt immer an, wenn sich etwas Ungewöhnliches ereignet oder ich Zeugin eines seltsamen Verhaltens werde. Ganz oft ist es wirklich nur Rauch ohne Feuer und zieht wieder vorbei.

Wenn es aber doch ernst wird, dann brauche ich Kontext, Verbindungen, Indizien – also viele Fäden, die richtig zusammengeführt eine Lösung ergeben.

 

Du hast der Polizia beziehungsweise Commissario Alceste nun schon zum zweiten Mal bei den Ermittlungen geholfen. Worin unterscheidet sich die italienische Polizeiarbeit aus deiner Sicht von der österreichischen? Gibt es Eigenschaften oder Herangehensweisen, von denen Wien vom Gardasee lernen könnte oder umgekehrt?

Also, das Suchen nach Beweisen, die Vernehmung von Verdächtigen, die Team-Besprechungen laufen wie bei uns. Und natürlich gehören die Gabe, die richtigen Schlüsse zu ziehen, und der Wille, Verbrechen aufzuklären, zur italienischen Polizia genauso wie zur Österreichischen.

Aber die Struktur der Polizeibehörden ist schon anders.

Italien hat ein sehr komplexes System der Kräfte mit Überschneidungen und Spezialisierungen. Es gibt die Polizia di Stato, das Innenministerium, und die Carabinieri, dem Verteidigungsministerium unterstellt. Dazu die Guardia di Finanza, die Finanz- und Zollpolizei. Österreich hingegen ist zentral mit dem Bundekriminalamt organisiert.

 

Wenn du nach den aktuellen Geschehnissen an den Gardasee denkst: Was siehst du zuerst vor deinem inneren Auge – das Urlaubsidyll oder die Tatorte?

Hinter jeder Idylle lauert leider auch das Böse.

Ich liebe den Gardasee vom ersten Moment der Ankunft an. Aber ich weiß auch, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die nichts Gutes anderen gegenüber im Sinn haben. Ich wünschte, es wäre nicht so – wobei ich dann ja arbeitslos wäre.

 

Nachdem du den letzten Mordfall in Sirmione aufgeklärt hattest, wolltest du dir ja wirklich eine Auszeit gönnen. Du hast sogar dein Wutbuch regelmäßiger geführt. Findest du den Spitznamen „Zornnatter“ mittlerweile noch passend oder hättest du lieber einen neuen? Und wenn ja: welchen und warum?

Nein, die Zornnatter gehört zu mir und meinem Naturell. Das habe ich schon vor langer Zeit akzeptiert. Wenn ich mir allerdings einen zweiten Spitznamen ausdenken müsste, wäre „Gelato-Prinzessin“ passend.

Und das Wutbuch wartet nur darauf, dass ich mehr hineinschreibe. Ich habe es zumindest immer in meiner Umhängetasche, wie den Badeanzug auch.

 

Und zum Schluss ein Blick nach vorn: Wo soll es für dich als Nächstes hingehen? Bleibst du noch länger am Gardasee oder zieht es dich zurück nach Wien?

Solange mein Lebensgefährte am Gardasee zu tun hat, bleibe ich. Auch wenn es bedeutet, dass ich meine Auszeit verlängern müsste. Nicht jeden Tag passiert etwas Unvorhergesehenes, in das ich mich einmische. Also werde ich mich aufs Genießen konzentrieren.

Commissario Adriano Alceste, den ich inzwischen sehr mag, wird bei dieser Ansage wohl die Ohren spitzen und hoffen, dass ich mich schön brav wie jede andere Gardasee-Besucherin verhalte.

Das kann ich ihm allerdings nicht versprechen.

 


Mach den Persönlichkeitstest!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Il dolce far niente? Nicht für Edwina Teufel!

Isabella Archan nimmt uns wieder mit an den Gardasee, diesmal in und um das Städtchen Garda. Doch auch bei diesem zweiten gemeinsamen Trip kommt Edwina Teufel einfach nicht dazu, bei einem Gläschen Vino die Beine in den See baumeln zu lassen – und das, obwohl wir uns ständig auf einem Weingut herumtreiben. Stattdessen geht’s mit einem angemieteten Moped in den Weinbergen Gardas auf die Suche nach Verbrecher*innen und vermissten Elternteilen. Natürlich gönnt Isabella Archan ihrer Ermittlerin und uns auch einen Abstecher zu den Sehenswürdigkeiten rund um Garda. Und unter uns: Wenn du dir bei der Lektüre ein Glas Wein einschenkst und die Zehen in den Lago oder ins eigene Plantschbecken steckst, verraten wir Edwina natürlich nichts.

Erhältlich online und überall, wo es Bücher gibt.