Schlagwort: Krimi

„Hinter jeder Idylle lauert leider auch das Böse.“ – ein Interview mit Chefinspektorin Edwina Teufel

Nach der erfolgreichen Aufklärung eines Mordes in Sirmione, Arbeit im Fundbüro, mysteriösen Schlangenentdeckungen und gefährlichem Tortellinifestessen sollte Edwina Teufel nun wirklich zur Ruhe kommen. Doch das Gardasee-Sabbatical der Wiener Chefinspektorin, bekannt als „Zornnatter“, verläuft erneut anders als geplant: Kaum angekommen, stolpert sie über einen Hund, wird Zeugin einer rätselhaften Szene und trifft den geheimnisvollen Jungen Peppe Rocco. Ein versuchter Mord mit Verbindungen zu einem Weingut, das auch ihre Freund*innen besuchen, zieht sie mitten in neue Ermittlungen – zwischen Weinbergen, malerischen Gassen und den Ufern des Lago di Garda.

Mit Edwina sprechen wir im Interview über ihren untrüglichen Ermittlersinn, das Jonglieren zwischen Idylle und Gefahr, ihr Bauchgefühl für ungewöhnliche Zusammenhänge und natürlich über ihren Spitznamen und ihr Wutbuch.

Liebe Edwina, du bist mit dem klaren Auftrag an den Gardasee geschickt worden, um zur Ruhe zu kommen und dich zu erholen. Nun hat das bereits zum zweiten Mal nicht wirklich funktioniert. Was ging dir in den Momenten durch den Kopf, als dir klar wurde, dass deine Auszeit erneut ganz anders verlaufen würde als geplant?

Oh, gleich zwei Sachen, ehrlich gesagt.

Zuerst eine kleine Enttäuschung, weil ich den Gardasee als Privatperson schon sehr genieße. Das Schwimmen, das Flanieren, das Eisessen – die Zeit, die ich mir für all die wunderschönen Sehenswürdigkeiten nehmen kann. Ja, das ist toll.

Aber bei einem Verbrechen oder wenn jemand in Not gerät, springt sofort mein Ermittlersinn an. Und mich, als Chefinspektorin, fasziniert es, mich wieder mit einem Fall zu beschäftigen und ein verbrecherisches Rätsel lösen zu können.

 

Du bist ein Mensch, der nicht an Zufälle glaubt. Siehst du in ungewöhnlichen Zusammenhängen grundsätzlich sofort Hinweise oder brauchst du manchmal doch etwas mehr Kontext, um dir ein Bild zu machen?

Da sind wir bei meinem Polizistinnen-Bauchgefühl. Das schlägt immer an, wenn sich etwas Ungewöhnliches ereignet oder ich Zeugin eines seltsamen Verhaltens werde. Ganz oft ist es wirklich nur Rauch ohne Feuer und zieht wieder vorbei.

Wenn es aber doch ernst wird, dann brauche ich Kontext, Verbindungen, Indizien – also viele Fäden, die richtig zusammengeführt eine Lösung ergeben.

 

Du hast der Polizia beziehungsweise Commissario Alceste nun schon zum zweiten Mal bei den Ermittlungen geholfen. Worin unterscheidet sich die italienische Polizeiarbeit aus deiner Sicht von der österreichischen? Gibt es Eigenschaften oder Herangehensweisen, von denen Wien vom Gardasee lernen könnte oder umgekehrt?

Also, das Suchen nach Beweisen, die Vernehmung von Verdächtigen, die Team-Besprechungen laufen wie bei uns. Und natürlich gehören die Gabe, die richtigen Schlüsse zu ziehen, und der Wille, Verbrechen aufzuklären, zur italienischen Polizia genauso wie zur Österreichischen.

Aber die Struktur der Polizeibehörden ist schon anders.

Italien hat ein sehr komplexes System der Kräfte mit Überschneidungen und Spezialisierungen. Es gibt die Polizia di Stato, das Innenministerium, und die Carabinieri, dem Verteidigungsministerium unterstellt. Dazu die Guardia di Finanza, die Finanz- und Zollpolizei. Österreich hingegen ist zentral mit dem Bundekriminalamt organisiert.

 

Wenn du nach den aktuellen Geschehnissen an den Gardasee denkst: Was siehst du zuerst vor deinem inneren Auge – das Urlaubsidyll oder die Tatorte?

Hinter jeder Idylle lauert leider auch das Böse.

Ich liebe den Gardasee vom ersten Moment der Ankunft an. Aber ich weiß auch, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die nichts Gutes anderen gegenüber im Sinn haben. Ich wünschte, es wäre nicht so – wobei ich dann ja arbeitslos wäre.

 

Nachdem du den letzten Mordfall in Sirmione aufgeklärt hattest, wolltest du dir ja wirklich eine Auszeit gönnen. Du hast sogar dein Wutbuch regelmäßiger geführt. Findest du den Spitznamen „Zornnatter“ mittlerweile noch passend oder hättest du lieber einen neuen? Und wenn ja: welchen und warum?

Nein, die Zornnatter gehört zu mir und meinem Naturell. Das habe ich schon vor langer Zeit akzeptiert. Wenn ich mir allerdings einen zweiten Spitznamen ausdenken müsste, wäre „Gelato-Prinzessin“ passend.

Und das Wutbuch wartet nur darauf, dass ich mehr hineinschreibe. Ich habe es zumindest immer in meiner Umhängetasche, wie den Badeanzug auch.

 

Und zum Schluss ein Blick nach vorn: Wo soll es für dich als Nächstes hingehen? Bleibst du noch länger am Gardasee oder zieht es dich zurück nach Wien?

Solange mein Lebensgefährte am Gardasee zu tun hat, bleibe ich. Auch wenn es bedeutet, dass ich meine Auszeit verlängern müsste. Nicht jeden Tag passiert etwas Unvorhergesehenes, in das ich mich einmische. Also werde ich mich aufs Genießen konzentrieren.

Commissario Adriano Alceste, den ich inzwischen sehr mag, wird bei dieser Ansage wohl die Ohren spitzen und hoffen, dass ich mich schön brav wie jede andere Gardasee-Besucherin verhalte.

Das kann ich ihm allerdings nicht versprechen.

 


Mach den Persönlichkeitstest!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Il dolce far niente? Nicht für Edwina Teufel!

Isabella Archan nimmt uns wieder mit an den Gardasee, diesmal in und um das Städtchen Garda. Doch auch bei diesem zweiten gemeinsamen Trip kommt Edwina Teufel einfach nicht dazu, bei einem Gläschen Vino die Beine in den See baumeln zu lassen – und das, obwohl wir uns ständig auf einem Weingut herumtreiben. Stattdessen geht’s mit einem angemieteten Moped in den Weinbergen Gardas auf die Suche nach Verbrecher*innen und vermissten Elternteilen. Natürlich gönnt Isabella Archan ihrer Ermittlerin und uns auch einen Abstecher zu den Sehenswürdigkeiten rund um Garda. Und unter uns: Wenn du dir bei der Lektüre ein Glas Wein einschenkst und die Zehen in den Lago oder ins eigene Plantschbecken steckst, verraten wir Edwina natürlich nichts.

Erhältlich online und überall, wo es Bücher gibt.

„Guter Journalismus bedingt immer Ernsthaftigkeit und Distanz. Bei einem satirischen Kriminalroman kann, darf und muss ich diese Gesetze brechen.“ – ein Interview mit Wolfgang Ainetter

Vergifteter Champagner auf dem Bundespresseball im Berliner Adlon – und plötzlich sind der Bundeskanzler und der Finanzminister tot. Was wie ein politischer Albtraum klingt, ist der explosive Auftakt zu Wolfgang Ainetters neuem Krimi. Mitten im Machtzentrum der Republik ermittelt Exil-Österreicher André Heidergott gemeinsam mit seiner Kollegin Emily Schippmann in einem Fall, der tief in ein Geflecht aus Intrigen, Lobbyismus, Machtspielen und persönlichen Abgründen führt.

Im Interview sprechen wir mit Wolfgang Ainetter über die Macht des Kriminalromans, seinen Wiener Schmäh und die Skurrilität des realen Lebens.

Lieber Wolfgang, „Einigkeit und Recht und Rache“ verbindet spannende Handlung mit einem satirischen Blick auf ein sehr konkretes Milieu. Was kann ein Kriminalroman leisten, wo der Journalismus manchmal an seine Grenzen stößt?

Guter Journalismus bedingt immer Ernsthaftigkeit und Distanz. Bei einem satirischen Kriminalroman kann, darf und muss ich diese Gesetze brechen. Anders als im Journalismus genieße ich beim Schreiben den Luxus, eigene Welten zu erschaffen. Beim Kanzleramts-Krimi ist die Welt ein bisschen wie bei Kottan – eine Persiflage auf den eitlen Politikbetrieb mit einem Wiener Schmähbruder als Kommissar.

Aber sowohl bei einem guten journalistischen Stück als auch bei einem guten Kriminalroman ist sorgfältige Recherche substanziell. Die Leser*innen merken sofort, ob jemand die Orte persönlich kennt, über die geschrieben wurde, oder ob der/die Autor*in die Fakten nur aus Wikipedia zusammengeschustert hat. Um etwa die Atmosphäre des noblen Berliner Hotels Adlon einzufangen, habe ich dort zwei Tage und eine Nacht verbracht. Eine der schönsten Recherchen meines Lebens! (lacht)

Als jemand, der aus erster Hand sowohl die Seite der investigativen Berichterstattung als auch die der politischen Kommunikation kennt: Wer sitzt deiner Erfahrung nach am längeren Hebel?

Ich mache mir gerade große Sorgen um den Journalismus. Jährlich verlieren hunderte Journalist*innen ihren Job. Ganze Investigativ-Ressorts werden aufgelöst, während die Kommunikationsabteilungen der politischen Parteien immer größer werden. Das ist nicht gut für unsere Demokratie. In den USA setzt die Regierung große Medienhäuser und Plattformbetreiber unter Druck, Inhalte von unbequemen Journalist*innen zu löschen. Wer will, dass es unserer Demokratie gut geht, unterstützt am besten unsere Medienlandschaft und abonniert möglichst viele Tageszeitungen, Magazine, Onlineportale und Newsletter.

 

Beim Lesen wirken manche Szenen so zugespitzt und verrückt, dass man sie für surreal hält. Sind genau das die Szenen, die in der Realität am ehesten so passieren könnten?

Die Realität ist noch schlimmer! (lacht) In der Politik ist es wie beim Lotto: Alles ist möglich! Bissige Satire ist in erster Linie dazu da, die Leser*innen gut zu unterhalten – und zweitens den Mächtigen einen Spiegel vorzuhalten. Manchmal bin ich erstaunt, für wie viel Aufregung der – fiktive – Wiener Kommissar André Heidergott im – realen – Regierungsviertel zu sorgen vermag. Den heftigsten Schmerz fügt Satire übrigens jenen zu, die nicht über sich lachen können – weil sie sich so superwichtig nehmen. Ich habe in meinem Leben nur sehr wenige Politiker*innen kennengelernt, die über die Gabe der Selbstironie verfügen; einer davon war der Wiener Altbürgermeister Michael Häupl.

 

Mal ehrlich: Ist wirklich alles so arg, wie es im Buch dargestellt wird?

Mein Anwaltsfreund hat mir geraten, auf diese Frage mit dem ersten Satz des Kanzleramts-Krimis zu antworten: „Diese Geschichte ist ebenso wahr wie die Wahlversprechen von Friedrich Merz.“

 

Mit deinem Protagonisten André Heidergott teilst du, dass ihr beide Exil-Ösis in der deutschen Hauptstadt seid. Was vermisst du als Wahlberliner am meisten an deiner Heimat, an Innsbruck?

Ich vermisse an meiner Heimat vor allem das Deppat-Reden und Schmähführen. All meine Tiroler und Wiener Freunde verstehen meinen kranken Humor. Und ich vermisse die Umbrüggler Alm mit Tomas, dem besten Hüttenwirt des Universums.

 

Dazu passend: Dein Stil verbindet Wiener Schmäh mit Berliner Schnauze. Welche Seite geht dir beim Schreiben leichter von der Hand?

Der Wiener Schmäh!

 

Zum Schluss: Opernball oder Bundespresseball?

Vom Herzen betrachtet: der Bundespresseball in Berlin, weil ich hier alle Jahre wieder wunderbare alte Kolleginnen und Kollegen treffe. Aus dem spöttischen Blickwinkel gesehen: der Wiener Opernball. Ich war zwar nur einmal dort, aber ich habe selten so viel Realsatire auf so engem Raum erlebt. Mein Lieblingssatz stammt vom (mittlerweile zurückgetretenen) Wirtschaftskammer-Präsidenten Harald Mahrer, der in einer (von Mitgliedsbeiträgen finanzierten) 23.600 Euro teuren Loge feierte: „Wir trinken nur Mineralwasser, weil wir sparsam mit den Mitgliedsbeiträgen umgehen.“ Für Satiriker wie mich sind Worte wie diese ein Geschenk.

 


Spurensuche zwischen Bundestag und Borchardt:

Wolfgang Ainetter kennt die politischen und medialen Seilakte aus eigener Erfahrung – und damit auch wir von seinen Einblicken profitieren (Sie wissen schon, eine Hand wäscht die andere …), hebt er den Vorhang, der den turbulenten Zirkus des Berliner Regierungsviertels vor Normalsterblichen verbirgt. Mit Wiener Schmäh (nach Berlin mitgebracht), Berliner Schnauze (erlernt) und untrüglichem Instinkt (angeboren) bringt André Heidergott mit Emily Schippmann die Reichen, Schönen und Mächtigen ins Schwitzen. Während dabei einigen fiktiven Charakteren das Lachen vergeht, dürfen wir der gepflegten Neugier frönen und Ainetters treffsichere Seitenhiebe und elegante Anspielungen mit einem Schmunzeln genießen. Ein Schelm, wer dabei an die tatsächliche Ampelregierung denkt, der vor einem Jahr das Licht ausgeknipst wurde – und Kenner*innen, die jede einzelne Spitze mit spitzer Freude auskosten.

Erhältlich online und überall, wo es Bücher gibt.

„Die Genre-Grenzen schaffen ein Gerüst, in dem man sich zurechtfindet.“ – ein Interview mit Herbert Dutzler

Der 13. Fall von Franz Gasperlmaier: In Altaussee schwingen neben dem Taktstock auch die Hüften. Während die Welt im Dreivierteltakt tanzt, muss Franz Gasperlmaier auf dem kriminalistischen Parket eine gute Figur machen. Zwischen Lederhose und Hochkultur, familiären Verpflichtungen und einem Besuch aus Kanada begleitet er seine Frau Christine ins Ballett – während ein Mordfall im Ensemble die Ermittlungen fordert. Misstöne im Orchester, überraschende Affären und ein junger, neuer Kollege sorgen dafür, dass bei Gasperlmaier alles andere als Stillstand herrscht.

Wir sprechen mit Herbert Dutzler über die Entstehung seiner Gasperlmaier-Reihe, darüber, wie er die Kulisse des Ausseerlands nutzt, um Charaktere, Konflikte und gesellschaftliche Entwicklungen scharf zu zeichnen und historische Details lebendig werden zu lassen und die politische Dimension seiner Krimis. 

13 Fälle, in denen die große Welt in die kurstädtische Provinz eintritt und wie in einer Glaskugel die komplexe Verwobenheit und Verbundenheit unserer Welt in bunten Farben darstellt. Was lässt sich in der Altausseer Nussschale besser beobachten als in den großen, tonangebenden Metropolen unserer Zeit?

Es ist relativ einfach. Durch die Einschränkung auf einen kleinen, dörflichen Schauplatz, durch die Einschränkung auf wenige Charaktere – zum Beispiel fehlt der ganze große Polizeiapparat – wird natürlich der Blick geschärft auf die einzelnen Charaktere, auf die Personen, die dort auftauchen, sowohl auf die, die ermitteln als auch auf die, die mehr dem familiären Kreis oder dem Freundeskreis angehören.

Je länger man über diese Personen schreibt, desto schärfer wird ihr Profil. Sie entwickeln sich auch mal, man überlegt sich, was für überraschende Entwicklungen auch bei diesen Personen möglich werden, sodass sie in neue, vielleicht ein bisschen unerwartete Situationen gestellt werden. Daraus entsteht eigentlich der Reiz einer längeren Serie, dass doch auf die Personen immer wieder Unerwartetes zukommt. Die Beschränktheit des Schauplatzes und der Welt zwingen also einfach dazu, sich auf die Personen zu konzentrieren.

 

Davon, dass die Welt am sogenannten Land stehenbleibt, kann in dieser Serie nun wirklich keine Rede sein: Sowohl die Kulisse als auch das Personal passt sich auf mal opportunistische, mal charmant-geläuterte Art und Weise an den gesellschaftlichen Wandel an. Was hat sich alles geändert seit dem ersten Gasperlmaier?

Geändert hat sich auf jeden Fall Gasperlmeiers Bezug zu neueren gesellschaftlichen Entwicklungen, seine Vorstellung davon, wie Frauen und Männer zu sein haben. Kurz gesprochen ist das Bild von den Geschlechterrollen, die Gasperlmaier früher gehabt hat, ein bisschen ins Wanken geraten. Er hat sich mit der Homosexualität seiner Tochter auseinandersetzen müssen, hat sich erstaunlich schnell angepasst und Widerstände aufgegeben.

Es tritt dann auch ein Paar in Erscheinung, neue Nachbar*innen. Akademiker*innen, die aus Wien kommen, wodurch er wieder mit einer anderen Welt konfrontiert wird, obwohl das eigentlich sehr sympathische Leute sind. Er wird konfrontiert mit der Tatsache, dass sein ehemaliger Chef, der sehr übergewichtig war und in Frühpension gegangen ist, plötzlich den Sport und die Ehe entdeckt hat und so wieder ganz neue Aspekte in sein Leben treten.

Was hat sich eigentlich noch an ihm geändert? Wenn man ganz genau hinschaut, hat sich auch seine Rolle als Polizist geändert. Er ist am Anfang – diese Zuschreibung hängt ihm vor allem bei Journalist*innen immer noch nach – angeblich tollpatschig gewesen, aber er hat sich zum ziemlich genauen Beobachter und vor allem zum guten Zuhörer entwickelt, der bei den Ermittlungen durchaus seinen Platz hat und gewinnbringend eingesetzt werden kann.

 

Gibt es Dinge, die trotz allem unverrückbar gleichbleiben?

Natürlich, das hat auch mit dem Schauplatz zu tun. Die Gesellschaft im Ausseerland ist trotz des vielfältigen Tourismus doch eine in sich ruhende, die sehr stark auf historischen Wurzeln aufbaut, die natürlich durch die Rolle des Salzes sehr besonders sind und später auch durch die Rolle des Tourismus, die Rolle der Sommerfrische, viele Künstler*innen, die dort anwesend sind. Darauf ist man sehr stolz und das sind die Pfeiler, auf denen auch die heutige Gesellschaft aufbaut. Ich glaube, dass die Ausseer*innen nicht nur sehr traditionsbewusst, sondern auch sehr geschichtsbewusst sind.

 

Du hast mit der Reihe eine Art Panoptikum des Ausseerlandes geschaffen, in dem man sowohl mit volkskundlichem als auch mit soziologischem Blick einiges lernen und zugleich vergnügliche Stunden verbringen kann. Erlauben es gerade die Genregrenzen und -konventionen des Kriminalromans, Dinge besonders treffend festzuhalten, die ansonsten vielleicht ein wenig außerhalb des Fokus liegen?

Die Genre-Grenzen schaffen natürlich ein Gerüst, in dem man sich zurechtfindet. Es gibt Kriminalfälle, es gibt Ermittlungen. Das rückt natürlich den Fokus immer auf Situationen, in denen die Menschen Konflikten ausgesetzt sind, auf Situationen, in denen Konflikte entstehen. Dort, wo Konflikte sind, taucht unter Umständen auch Gewalt auf.

Das sind eigentlich immer die Punkte, die die Grundlage eines neuen Buches bilden. Wenn man zum Beispiel einen Zeitungsartikel liest – darüber denke ich gerade beispielsweise nach – in dem ein massiver Streit unter Bergsteiger*innen entsteht. Wer welchen Berg den Regeln entsprechend richtig dokumentiert, ihn erklommen hat und wer nicht. Wer große Geschäfte macht mit einer speziellen Art der Ersteigung eines Berges, wer das im Stillen und Verborgenen macht. Da denkt man dann, dass das ein sehr konfliktreiches Thema ist. Je mehr man sich darauf einlässt, desto mehr Artikel und Bücher findet man zu solchen Streitthemen.

So entstehen dann neue Ideen, immer aus der Idee, wo es Konflikte gibt, die natürlich auch in irgendeiner Weise mit dem Schauplatz in Bezug stehen. Eine Bergsteigergeschichte kann es natürlich nur dort geben, wo es auch Berge gibt. Am Neusiedlersee wäre diese ziemlich deplatziert.

 

Hast du beim Schreiben der Gasperlmaier-Reihe, aber besonders auch deiner Siegfried-Romane das Gefühl, einen Teil ungeschriebener lokaler Zeitgeschichte festzuhalten, die ansonsten selten dokumentiert wird?

Vor allem bei der Sigi-Niedermeier-Serie, weil erst durch die Recherche, durchs Kramen in Familienfotos oder auch in anderen Archiven für mich Dinge klar geworden sind, die die Erinnerung gestützt haben. Nämlich zum Beispiel, dass die hygienischen Verhältnisse in den 60er und 70er Jahren auf dem Land teilweise noch völlig anders waren, als man es heute gewohnt ist. Und auch, dass vor allem die Geschlechterrollen sehr anders waren. Dass das Patriarchat noch wirklich gesellschaftsdurchdringend war. Dass Kinder sehr wenige Rechte und Möglichkeiten hatten, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Ich denke, vieles von dem, vor allem auch im Bereich der Schule und dass in vielen Bereichen noch alte Nazis das Sagen hatten, kommt meiner Meinung nach in den Büchern auch gut zum Ausdruck, wenn auch durch die satirische Brille.

Ich denke schon, dass es ein kleiner Beitrag zur Aufarbeitung meiner persönlichen Zeitgeschichte ist. Ich hoffe, dass das auch künftige Generationen, zumindest innerhalb meiner Familie, interessieren wird.

 

In deinen Romanen die Lebensrealität und die mündliche Geschichtsschreibung sehr vieler Menschen abzubilden, die nicht in urbanen Ballungszentren, in Machtzentren leben – hat das auch eine politische Dimension für dich?

Eingeschränkt und durch die satirische Brille schon. Mich fragen zum Beispiel gelegentlich Journalist*innen, ob ich gerne wieder in dieser Zeit leben würde oder ob das eine Nostalgie nach dieser Zeit ist. Ich verneine diese Frage immer eben mit Verweis auf die sehr prekären Rechte von Frauen und Kindern zur damaligen Zeit, auch mit einem Verweis auf die hygienische Situation und auf die große Unfallgefahr, denen die Menschen damals ausgesetzt wurden. Wenn man die Zeitungen studiert, erfährt man, dass es wesentlich mehr Verkehrstote gab, weil die Autos keine Sicherheitseinrichtungen hatten. Es gab auch sehr viele Flugzeuge und Flugzeugsunglücke, wesentlich mehr noch als heute. Was die gesamtpolitische Situation betrifft: Kriege, Auseinandersetzungen, Bedrohungsszenarien gab es auch damals in ausreichender Menge, sodass man die Zeit auf gar keinen Fall verklären muss.

 


Gasperlmaiers 13. Fall:

Herbert Dutzler versteht es, das Ausseerland in allen kontrastreichen Facetten zu portraitieren. Sei es beim Aufeinandertreffen von Neuem und Traditionellem oder dann, wenn deutlich wird, dass auch im vermeintlichen Paradies mit dem Feuer gespielt wird und Grenzen überschritten werden. Für uns kein Grund zur Sorge, denn mit Franz Gasperlmaier und dessen Familie und Bekannten stellt uns Herbert Dutzler eine ausgesprochen charmante und liebevolle Reisegesellschaft an die Seite. Die uns in jedem Fall immer wieder neues entdecken lässt: wie den Landler (andernorts Ländler), einen Volkstanz im Dreivierteltakt.

Erhältlich online und überall, wo es Bücher gibt.

Brisante Kunstfunde, kanarischer Kulturgenuss und ein Todesfall – der neue Krimi von Flores & Santana

Eigentlich wollte der Journalist Ben Rodríguez seine Arbeitsreise nach Lanzarote ganz entspannt gestalten: ein wenig kulturelle Recherche, verbunden mit Käseverkostungen und dem einen oder anderen Gläschen Wein. Aber Fehlanzeige! Bens Reisebegleitung Naira Calderón macht ihm einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Die beiden, die schon ewig gut befreundet sind, kommen bei einer Bekannten von Naira, Valeria Moreno, unter – deren Ehemann, Gil Moreno, wurde kurz vor Ben und Nairas Ankunft unter mysteriösen Umständen tot in einer Lavaröhre gefunden. Am Todesort wurden zudem noch Bilder des Künstlers César Manrique gefunden. Natürlich müssen Ben und Naira Valeria investigativ unter die Arme greifen und decken so Spur für Spur auf, was unter der Lavadecke von Lanzarote brodelt.

In diesem Magazinbeitrag findest du erste Einblicke in das neue Buch Lava und Lügen auf Lanzarote“ von Flores und Santana. Außerdem stellen wir dir die wichtigsten Protagonist*innen genauer vor – lerne die Hauptcharaktere Ben und Naira kennen und erfahre mehr über Valeria und Gil. Und was haben eigentlich der Bodega-Besitzer Paco Prieto und seine Frau Lara mit allem zu tun?

 

Die Sonnenstrahlen fielen in einem sehr flachen Winkel durch die Schaufenster von Naira Calderóns Buchhandlung Biblioteca de Babel und erreichten sogar den mittleren Raum. Im Herzen von Santa Cruz de La Palma gelegen, verführte der Buchladen mit seinen wohnlich wirkenden Regalen und Tischen aus kanarischer Kiefer und der beeindruckenden Bücherauswahl zum Verweilen. Der dritte Raum, mit der auch aus gebeizter Kiefer hergestellten Theke für Kaffee, Wein und dem immer vorhandenen Teller mit Mandelkeksen, war zwar wie immer sehr hell, aber keiner direkten Sonne ausgesetzt. Der kleine Innenhof dahinter wurde nur um die Mittagszeit ganz ausgeleuchtet.

Ben Rodríguez saß in seinem Chesterfield-Sessel im Zwischenraum, wie Naira den in der Mitte gelegenen Raum oft nannte, und war so in ein Buch vertieft, dass er nicht nur die Sonnenstrahlen, die inzwischen seine Füße erreichten, nicht bemerkte, sondern auch seinen Kaffee ignorierte.

Egal, wie oft er unter der Woche schon vorbeigeschaut hatte, es war ein Ritual: Jeden Samstag, zwischen elf und dreizehn Uhr, konnte man ihn in der kleinen Buchhandlung finden. Seine Freunde wussten Bescheid. Wenn jemand ihn treffen wollte, funktionierte das zu dieser Zeit, absichtlich oder zufällig, ausgezeichnet.

Naira hatte ihm vorhin ein frisch erschienenes Buch über die Altkanarier in die Hand gedrückt und Ben war bereits darin vertieft.

© Karin Wernig

Flores & Santana, das sind Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser. Gemeinsam haben sie 1994 die Wiener Kultbuchhandlung Leporello gegründet. Ein Herzensprojekt, das sie nach 30 Jahren in andere Hände gegeben haben, um als Autorenduo die Seite zu wechseln und sich dem Schreiben zu widmen. Rotraut Schöberl ist unter anderem bekannt für ihre Buchempfehlungen, die sie jahrelang im österreichischen Frühstücksfernsehen geteilt hat. Ihr Co-Autor Erwin Riedesser hat als ehemaliger Juryvorsitzender des Perutz-Krimipreises selbst ein gutes Gespür für spannende Geschichten. Inspiriert von ihrer Liebe zu den Kanaren schreiben sie Krimis, die ihre Faszination für die spanische Inselgruppe widerspiegeln. Nach La Palma und Teneriffa entführen sie ihre Leser*innen nun nach Lanzarote.

Naira hat eine herausfordernde Beziehung mit Felipe Barceló, einem Buchhändler auf Teneriffa, glücklich und kinderlos hinter sich gelassen und kam deshalb auf die Nachbarsinsel La Palma zurück, wo sie die Buchhandlung Biblioteca de Babel übernahm, als deren Vorbesitzer in den Ruhestand gehen wollte. Naira hat die Buchhandlung nach ihren Vorstellungen umgestaltet und behandelt sie jetzt als ihr erweitertes Wohnzimmer. Die Buchhandlung ist ein Treffpunkt für die literaturaffinen Einwohner*innen von La Palma, aber abends kommen auch oft Nairas Freund*innen vorbei. Es gibt immer Kaffee, Tee oder ein Gläschen Wein und auch Mandelkekse. Auch Ben kommt gerne vorbei, um neue Bücher zu finden oder sich mit seiner guten Freundin Naira auszutauschen, die ihm nicht nur mit Buchtipps sondern auch immer mit Rat und Tat beiseite steht.

 

Hier findest du alles zu Naira Calderón!

Beruf: Buchhändlerin.

Alter: Anfang 40.

Aussehen: 1,66 m groß, schlank und sportlich, ohne es wirklich zu sein. Außerdem dunkle Augen und dunkelbraune, fast schwarze, lange Haare, trägt meistens einen Zopf.

Kleidung: Gerne individuell und bequem, aber dennoch extravagant. Mag Naturstoffe und Naturfarben.

Haustier: Tigerkater Graf Potocki, genannt „Tocki“.

Herkunft: Hat Guanchenvorfahren, ist in Barlovento auf La Palma geboren, ihre Eltern leben immer noch dort.

Wohnort: Lebt auf La Palma am Stadtrand von Santa Cruz, gleich hinter der Santa Maria (Museumsschiff von Kolumbus) nahe am Meer und pflegt dort ihr wildwucherndes Gärtchen.

Charakter: Sehr sozial und neugierig.

Funfact: Hat keinen Führerschein.

Liebt: Bücher, ihre Buchhandlung, die Natur, den Sternenhimmel über La Palma, interessante Menschen und kräftigen Weißwein. 

Hobbies: Liest seit frühster Kindheit mit Begeisterung und viel, jetzt auch gerne einen Kriminalroman zur Entspannung. Interessiert sich sehr für die Geschichte der Kanaren und ist in einer Krimijury.

Ausbildung: Literaturstudium auf Teneriffa, arbeitete dann einige Jahre in Santa Cruz de Tenerife mit ihrem damaligen Lebensgefährten Felipe in seiner Buchhandlung Liberia Fábrica de Tabaco.

Lebensmotto: „Immer die nächste Tür öffnen, es kann immer noch besser kommen.“  

Ihr bester Freund: Ben, hat in ihm eine verwandte Seele gefunden.

„Sag mal, wie lange lebst du jetzt eigentlich schon auf Lanzarote?“, fragte Naira nach einer Weile.

Valeria dachte einen Moment nach. „Es sind mittlerweile über drei Jahre“, sagte sie dann. „Ich bin damals von Teneriffa hergezogen, du erinnerst dich? Es ging alles so schnell. Ich hatte mich Hals über Kopf in Gil verliebt und wir wollten unser Leben zusammen verbringen. Er war ein besonderer Mensch – so sensibel und tiefgründig. Wir haben uns sofort verstanden, bei der Kunst, beim Design, aber auch in Fragen des Lebens. Es war, als würden wir ständig neue Gemeinsamkeiten entdecken. Dann erhielt Gil das Angebot eines bedeutenden Kunstbuchverlages aus Madrid, eine umfassende Biografie über César Manrique zu verfassen, die auf dem neuesten Stand der Forschung sein sollte. Er war begeistert! Schon deshalb plante er, wieder nach Lanzarote zu ziehen. Es war klar, dass er dafür Jahre brauchen würde.

Für mich war es selbstverständlich, meinen Job auf Teneriffa aufzugeben. Zunächst habe ich noch ein wenig – digital – für meine Kunden auf Teneriffa von Tías aus weitergearbeitet, aber irgendwann war klar, dass mein Lebensmittelpunkt nun hier ist. Und ich wurde so herzlich auf der Insel aufgenommen, nicht zuletzt, weil Gil hier viele Leute kannte.“

Valerias Stimme klang leise und sanft, während sie sprach.

Valeria war Gil sehr verbunden und ist dementsprechend niedergeschlagen, als Naira und Ben nach Gils Tod zu ihr kommen. Trotzdem ist sie eine gute Gastgeberin, die Naira und Ben nicht nur großzügig Platz bei sich anbietet, sondern die beiden auch kulinarisch bestens versorgt. Gerne nimmt sie die Hilfe der beiden an, will sie doch wissen, was wirklich mit ihrem Mann geschehen ist …

 

Mehr Infos zu Valeria Moreno gibt es hier!

42 Jahre alt.

Ist 1,63 m groß und zierlich, hat dunkle Haare, einen modischen Kurzhaarschnitt und gleichmäßige Gesichtszüge.

Nairas Schulfreundin.

Arbeitet selbstständig als Grafikerin, unter anderem für den Weinbetrieb Bodega Cumulus, Jameos de Agua und die Fundación César Manrique, hat ihr Büro zuhause.

Geboren auf La Palma in der Nähe von Barlovento, dort leben auch ihre Eltern.

Wohnt in Tías.

Hat auch auf Teneriffa zusammen mit Naira studiert.

Blieb lange Zeit auf Teneriffa, zog vor einigen Jahren der Liebe wegen nach Lanzarote.

Klicke hier, um über Gil Moreno (verstorben) zu lesen.

48 Jahre alt.

Ist 1,65 m groß und schlank, hat schulterlange dunkle Haare.

Valerias Ehemann, lernte vor über 10 Jahren Valeria bei einer Ausstellung in Santa Cruz de Tenerife kennen.

Arbeitete an einer umfassenden Biografie von César Manrique.

Malte zur Entspannung auch in seinem Atelier im Privathaus und schrieb Tagebuch.

Kunst-& Managementstudium.

Verträumter und sensibler Mensch, wäre gerne Künstler gewesen und hasst eigentlich Typen wie Paco Prieto.

„Kannst du mir etwas über Paco Prieto erzählen? Wie ist der denn so?“

„Ich bin der Meinung, er ist machtgierig, geltungssüchtig und skrupellos.“

„Starke Ansage. Hat der Mann Familie?“, fragte Naira.

„Hat er. Prieto hat eine wesentlich jüngere Frau und mit ihr zwei Kinder. Für ihn sind sie vermutlich ebenso Statussymbole wie seine Autos und Motorräder. Seine erste Frau, die sehr wohlhabend war und die er beerbte, starb bei einer eigentlich einfachen Schönheitsoperation. Bis heute ist völlig ungeklärt, warum sie ins Koma gefallen und nie wieder aufgewacht ist. Das war lange Zeit Gesprächsthema auf der Insel.“

„Und seine neue Frau?“ Ben wurde neugierig.

„Lara ist sympathisch und überraschend bescheiden. Sie stammt aus Arrecife, ihr Vater hatte eine Autowerkstatt und sie war bereits mit siebzehn Miss Lanzarote. Aber Lara hat jetzt nicht viele Freiheiten, Prieto hält sie möglichst von allem fern, obwohl nicht nur ich, sondern auch andere viel besser mit ihr als mit ihm zusammenarbeiten könnten. Und: Sie besitzt ein ausgeprägtes Gespür für Design und hat einen deutlich feineren Geschmack als er. Was möchtest du sonst noch wissen?“

Die Beziehung von Paco und Lara ist keine gute, schränkt Paco sie doch ein und zwängt ihr seine Lebenserwartungen auf. Dennoch bleibt Lara eine sympathische Frau, mit der sich insbesondere Naira gut versteht – obwohl Naira und Ben ihren Ehemann Paco mehr als verdächtig finden. Ob Lara den beiden bei ihren Ermittlungen helfen kann?

 

Das ist Paco Prieto!

49 Jahre alt.

Ist 1,60 m groß und hat dichte, schwarze, glatte Haare und blendende falsche Zähne.

Ein verschlagener Typ, falsch, immer auf seinen Vorteil bedacht, mafiös und ein Anführertyp. Hat bereits in der Schule seine Mitschüler*innen ausgenützt.

Er mag Zigarren, Bourbon Whiskey, sein Luxusauto und sein Motorrad.

Hat von seinem Vater ein Hotel, eine Bodega und ein kleines Weingut geerbt.

Besitzt Weingut Bodega Cumulus, eine Käserei und einige andere Firmen. Will alle Weintrichter auf Lanzarote besitzen, seit er ein Kind ist.

Seine erste Frau, die reich & älter war, starb nach zwei Jahren bei einer Schönheitsoperation. Erbte dadurch viel Geld und weitere Weinberge sowie die Finca de Fechas.

Seine jetzige, zweite Frau ist 20 Jahre jünger und für ihn ein Statussymbol. Ist ihr gegenüber sehr einschränkend und kontrollierend.

Lara Prieto kannst du hier kennenlernen!

32 Jahre alt.

Ist 1,72 m groß und blond, hübsch, hat an Misswahlen teilgenommen.

Pacos Frau, er bestimmt alles für sie.

Hat zwei Kinder, Alejandro und Maria del Carmen.

Sehr intelligent und geschickt, kann Autos und Motorräder reparieren. Ihr verstorbener Vater hat ihr das in seiner Werkstatt beigebracht.

Organisierte Motorradausflüge auf Lanzarote, so lernte sie Paco kennen. Eigentlich wollte sie studieren.


Neugierig geworden?

Als Guides mit einem scharfen Gespür für Spannung führen uns Flores & Santana durch Lanzarote – idyllische Landschaften, interessante Anekdoten und Verkostungen lokaler Spezialitäten inklusive. Authentisch, atmosphärisch, aber alles andere als 08/15, macht ihr neuer Kanarenkrimi auch vor den dunkleren Seiten der sonnenverwöhnten Vulkaninsel keinen Halt. Einfach zurücklehnen, Urlaubsfeeling genießen und Seite für Seite mit Ben Rodríguez und Naira Calderón auf Verbrecherjagd gehen.

Online erhältlich und überall, wo es Bücher gibt.


Lust auf mehr?

Mach hier unseren Persönlichkeitstest und finde heraus, welche Kanareninsel zu dir passt. Alle Bilder sind von Flores selbst aufgenommen!

 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Magazin

Wer sind Fink & Denk? Im neuen Krimi von Ingrid Walther ermitteln eine Vogelkundlerin und eine Philosophin auf Teneriffa

Die Pension auf Teneriffa verbringen – so lautet prinzipiell der Plan von Amalia Fink, Vogelkundlerin, und ihrer besten Freundin Lydia Denk, ihres Zeichens Salzburgs bekannteste Hobbyphilosophin. Amalia will die kanarische Vogelwelt beobachten und ein Buch über sie schreiben, Lydia lenkt sie mit Vergnügen davon ab. Die beiden weilen gerne auf der Kanareninsel und genießen den Urlaub. Bis eine junge Frau namens Katie (laut Amalia ein Rotkehlchen) verschwindet, was Amalia und Lydia nicht ganz geheuer ist. Die beiden Freundinnen beginnen, ihre eigenen Nachforschungen anzustellen, und entwirren dabei ein Gestrüpp an Verstrickungen, das den gewöhnlichen Urlauber*innen verborgen bleibt …

Wir geben dir mit dieser kurzen Leseprobe einen ersten Einblick in das Buch und stellen dir die beiden Protagonistinnen genauer vor – die Autorin Ingrid Walther zeigt in ihren Steckbriefen Eigenheiten, Fähigkeiten und andere Kennzeichen von Amalia und Lydia und erklärt, was die beiden miteinander verbindet.

 

© Fotohofer.at

Ingrid Walther, geboren 1950, hatte als Soziologin, Kommunikationstrainerin und Coach schon immer mit Menschen zu tun. An den Kragen geht sie ihnen seit 2020. Natürlich nur auf schriftstellerischem Wege, denn in diesem Jahr erschien der erste Band ihrer Provence-Krimireihe rund um Florence Beaumarie, die einfach die Pension genießen will, aber so gar nicht dazu kommt. Ganz ähnlich ergeht es den Protagonistinnen in ihrem neuen Kanarenkrimi „Das Schweigen der Kanarienvögel” (HAYMONtb 2025), in dem sie Lavendelfelder gegen Vulkanlandschaft tauscht.

 

Amalia Fink und Lydia Denk …

… sind zwei ganz verschiedene Freundinnen! Die eine Vogelkundlerin mit guter Beobachtungsgabe, die andere Philosophin mit gutem Gedächtnis. Auch optisch sind sich die zwei nicht ähnlich: Amalia ist klein und kleidet sich minimalistisch, Lydia ist groß und trägt am liebsten bunte Kaftans. Und wo beispielsweise Amalia gerne schwimmt und wandert, herrscht bei Lydia eine strikte „no sports!“ Regel. Selbst in ihrem Frühstücksgeschmack unterscheiden sich die beiden …

Aber schau selbst:

 

(Bild gezeichnet von Ingrid Walther)

Amalia ist – irgendwie selbsterklärend – ein Girlitz, also ein Fink.

(Bild gezeichnet von Ingrid Walther)

Lydia ist laut Amalia ein Graureiher.

 

Und was verbindet Amalia Fink und Lydia Denk miteinander? 

Vor allem eine kongeniale Freundschaft seit der gemeinsamen Kindheit. Die beiden kennen sich, seit sie zusammen in der ersten Klasse waren. Außerdem: viel Humor! Amalia und Lydia nehmen sich, auf gut Österreichisch, gerne auf die Schaufel. Aber auch ernsthaft – obwohl sie beide sehr verschieden sind, finden sie viel Akzeptanz , Verbundenheit sowie Vergnügen an genau dieser Diversität. Beide haben Freude an ihrer jeweiligen Arbeit und (mindestens ebenso wichtig!) am Genuss, was wir in ihrem Urlaub oft sehen können. Also: Amalia und Lydia sind zwei ganz unterschiedliche, starke Freundinnen, die vor allem beide auch nichts dagegen haben, wenn sie als Emanzen bezeichnet werden. Lieben wir so sehr wie Amalia Vögel liebt!

 


Lust auf mehr?

Du willst wissen, wie Amalia Fink und Lydia Denk zusammen versuchen, das Verschwinden von Katie aufzuklären? Ingrid Walther nimmt uns mit zu schwarzen Stränden, dschungelartigen Lorbeerwäldern und kargen Vulkanlandschaften und lässt uns nicht nur Vögel beobachten, sondern auch die beiden Freundinnen gern gewinnen und natürlich mitfiebern!

„Das Schweigen der Kanarienvögel“ erscheint am 10.04.2025 und ist schon jetzt in deiner Lieblingsbuchhandlung und überall, wo es Bücher gibt, vorbestellbar!


„Manchmal bin ich so im Geschehen, dass ich wirklich allen einen Mord zutraue“ – ein Interview mit Isabella Archan

Edwina Teufel soll eigentlich nur eine Auszeit von ihrem Alltag als Ermittlerin bei der Wiener Polizei nehmen – und wird dann prompt in einen dubiosen Todesfall am idyllischen Gardasee verwickelt: Der Wiener Chefinspektorin wird von der Polizeitherapeutin geraten, eine Pause zu machen, weswegen sie sich für ein Jahr in Sirmione entscheidet. Aber dort nur das süße Nichtstun zu genießen, liegt nicht in Edwinas Interesse und sie arbeitet für ein paar Stunden in einem lokalen Fundbüro. An einem Tag wird dort eine Schlange abgegeben und am nächsten Tag wird der Schlangenfinder – ein bekannter Eistüten-König – tot aufgefunden. Edwina kann es nicht lassen und mischt sich sofort tatkräftig in die Ermittlungen der Polizia ein. 

Wir sprechen mit der Autorin Isabella Archan über die Wiener Ermittlerin, Urlaub am Gardasee und über den Stellenwert von Schlangen:

Liebe Isabella, deine Protagonistinnen finden wir eigentlich eher in Deutschland oder Österreich: Die MörderMitzi und Agnes Kirschnagel ermitteln in Kufstein, auf der Donau, in den Alpen und Willa Stark und Leocardia Kardiff lösen ihre Fälle in Köln. Woher kam die Idee, die Wienerin Edwina Teufel in eine Auszeit an den Gardasee zu schicken?

Der Gardasee war schon in meiner Kindheit ein Ziel meiner Familie, wenn Kurzurlaub angesagt war. Meine Mutter war ein großer Italien-Fan, hat in ihrer Jugend zwei Jahre in Rom gelebt. Und als ich vor nicht allzu langer Zeit wieder ein paar Tage am Lago war, dachte ich, wenn ich je eine Auszeit bräuchte, wäre das mein Fleckchen…. Schwupps – die erste Idee von Edwina Teufel war da.

Wir finden uns also gemeinsam mit Edwina und ihrem Lebensgefährten Antonio „Toni“ Russo in Sirmione wieder, aber anstatt ihnen beim gemütlichen Pizzaessen und Aperoltrinken im Sonnenuntergang zuzuschauen, werden wir mit Edwina in eine geheimnisvolle Villa, in den Keller eines Fundbüros oder zu einem Tortellinifestmahl geschickt. Nur am Strand liegen ist also eine klare Fehlanzeige. Trotzdem ermitteln wir in den schönen Gassen des Städtchens, an den Küstenstraßen des Gardasees und im Schatten beeindruckender Sehenswürdigkeiten. Kannst du uns an der Stelle einen Gardasee-Tipp geben? Und kanntest du Sirmione bereits davor und hattest das Potenzial direkt im Kopf oder musstest du erst recherchieren und selbst vor Ort sein, um dir ein Bild zu machen?

Ich bleibe bei Sirmione und der Umgebung. Bis man alles gesehen und genossen hat, braucht es eine Weile. Schon allein, weil es sich lohnt, viele Pausen einzulegen mit Eis schlecken, Cappuccino trinken, Tortellini essen. Natürlich am Strand die Seele baumeln zu lassen, zu schwimmen in diesem seidigen Wasser – hach, jetzt würde ich gerne sofort wieder hinfahren. Limone kann ich auch sehr empfehlen. Wobei es am Gardasee kein Plätzchen gibt, das nicht schön ist, finde ich.

Ich habe aber selbst in San Martino della Battaglia logiert. Ich bin auch nach Sirmione und zurück täglich alles zu Fuß abgelaufen, wie Edwina. Es ist erholsam, beeindruckend und schlichtweg schön. Die Aussicht, die Luft, der Lago – herrlich. Die vielen Eisdielen waren ebenso eine Inspiration, wie auch die Burg und die Strände und die Altstadt und, und, und…. Man kann sagen, dass die Geschichte in meinem Kopf mit jedem Schritt klarer wurde. Recherche braucht es zusätzlich allerdings immer. Eine Schulfreundin, die in Italien lebt, hat mir geholfen. Ein Commissario, der am Gardasee zu Hause ist, eine Rechtsmedizinerin und zwei tolle Krimi-Kolleginnen haben mir bei Rückfragen ebenso zur Seite gestanden.

Übrigens liebe ich es, spazieren zu gehen und meine Fantasie laufen zu lassen. Dabei sprudeln die Ideen wie ein Springbrunnen. 😊

© C. Assaf

Isabella Archan ist in Graz geboren und betrat nach ihrer Schauspielausbildung die Bühnen von mehreren großen Häusern, wie u.a. dem Wiener Volkstheater. Doch nicht nur vom Zuschauerraum aus kann man Archan beobachten, sondern auch auf den Bildschirmen: In Serien wie der „Lindenstraße“ oder dem „Tatort Köln“ ist sie zu sehen. Von ihren Engagements in Krimiserien zog es die, in Köln lebende, Autorin in die Welt der Bücher. Seit 2014 führt Archan hier selbst Regie, darunter auch in der Reihe um die „MörderMitzi“.

Bevor wir uns näher mit deinen Figuren beschäftigen, noch eine persönliche Frage an dich: Du bist nicht nur Autorin, sondern auch Schauspielerin und kombinierst die beiden Bereiche gerne, wie man bei deinen MordsTheaterLesungen sieht. Fließt auch beim Schreiben selbst das Schauspiel mit ein?

Oh ja. Ich gehe an die Bücher über die Figuren und deren Charaktere. Ich beobachte gerne, lausche im Café oder im Zug den Gesprächen, höre mir Geschichten von Menschen an, die viel erlebt haben. Dann versetze ich mich, wie bei Theaterrollen, in die Romanfiguren, spiele quasi bis zur kleinsten alles innerlich nach. Am Ende lote ich meine eigenen Tiefen aus. All das ist mit viel Spaß und Freude verbunden.

Dazu kommt, dass ich bei meinen MordsTheaterLesungen zu dem jeweiligen Krimi den direkten Kontakt mit dem Publikum, mit meiner Leserschaft, haben kann. Das macht mich jedes Mal sehr glücklich.

 

Edwina ist eine sehr eigenwillige und auch impulsive Persönlichkeit, insbesondere, was das Treffen von Entscheidungen angeht. Das merken wir beispielsweise öfters bei ihren Begegnungen mit Commissario Adriano Alceste oder wenn sie auf eigene Faust etwas ohne Toni unternimmt. Gab es Momente beim Schreiben, wo Edwina dich überrascht, eine andere Richtung angegeben hat, als du geplant hattest?

Bei Edwina wirklich einige. Ihr Charakter ist wunderbar eigensinnig und doch immer sehr mitfühlend. Eine sympathische Mischung, die mich während der Arbeit laufend berührt hat. Dazu kommt die Magie des Schreibens, wie ich es nenne. Der Plot ist fertig, die Auflösung ist klar – ich setze mich an das Manuskript. Und schon entwickeln die Figuren ein Eigenleben, das mich die Geschichte anders als geplant weiterführen lässt. Ich werde überrascht und in neue Richtungen gelenkt. Bei Edwina war das eine laufende Zusammenarbeit zwischen ihr und mir könnte man sagen…. sie hat sich meistens durchgesetzt. 😊

 

Deine Figuren stehen allesamt in komplexen, geheimnisvollen Beziehungen zueinander: Da gibt es Edwinas Chefin Rosa Rinaldi und ihren Enkel Bruno, der in Schwierigkeiten steckt, aber Edwina trotzdem hilft. Den ermordeten Eis- und Hotelkönig Giovanni di Levia, der scheinbar überall irgendwie verwickelt war und seine Exfrau Greta Galli. Dann Felix Stacherer und Luis Brand, die Zeugen, die sich gegenseitig decken könnten. Schließlich die Polizeibeamt*innen Commissario Alceste, der Edwina nicht einbeziehen kann (oder will) und Ispettore Punta, die flott und ehrgeizig ermittelt. Und natürlich mittendrin Edwina und Toni, die sogar immer wieder selbst in Gefahr sind. Waren die ganzen Verstrickungen so geplant oder haben sich die Beziehungen organisch beim Schreiben entwickelt? Wie hast du den Überblick behalten?

Beides. Den Überblick zu behalten ist wichtig, damit sich all die Spuren und Möglichkeiten am Ende bei einem Lösungspunkt finden. Ich habe einen Plan, aber überprüfe laufend, wenn sich andere Wendungen ergeben. Da ich ganz in die Geschichte eintauche, kann ich auch stets mit den Figuren mitgehen und ihren neuen Wegen folgen. Die Verstrickungen der einzelnen Charaktere machen die Spannung aus. Manchmal bin ich so im Geschehen, dass ich wirklich allen einen Mord zutraue. Total gerne schreibe ich Kapitel aus der Sicht der Täterfigur, was richtig faszinierend ist.

 

Schlangen haben, wie der Titel ja schon irgendwie vermuten lässt, eine ganz zentrale Bedeutung in deinem Roman. Edwina trägt selbst den Spitznamen „Zornnatter“ und kommt im Laufe ihrer Zeit in Sirmione immer wieder mit ihren Namensgebern in Kontakt. Keine Spoiler, aber: Wir treffen auf viele Schlangen in unterschiedlichen Formen, die viele unterschiedliche Zwecke haben. Edwina ist diesen eigentlich auch nicht abgeneigt. Wie sieht es bei dir aus? Sind Schlangen missverstandene Tiere oder sind die Angst und der Ekel gerechtfertigt, den viele Menschen vor ihnen haben?

Früher hatte ich Angst vor Schlangen. Dann habe ich mich mit ihnen immer wieder beschäftigt, was mir eine andere Sicht auf diese, für die Natur so wichtigen, Tiere gegeben hat. Dazu kommt, dass es am Gardasee jede Menge Schlangen unterschiedlicher Art gibt. Edwinas Kollegenschaft in Wien hat ihr den Spitznamen „die Zornnatter“ sogar liebevoll gegeben, weil sie bei Ungerechtigkeiten stets wütend wird und sich bei ihren Kriminalfällen richtig festbeißen kann. Und sie hat ein Herz für die nicht so knuddeligen Spezies auf der Welt. Ich selbst liebe auch Hunde, Katzen, Pferde, Vögel usw., aber ich gehe mit Edwina: Respekt verdienen alle Lebewesen.

 

Abschließend noch eine kurze Frage: Sehen wir Edwina bald wieder ermitteln oder bleibt sie zunächst einmal in ihrer Auszeit?

Ich glaube, wer Edwina Teufel kennenlernt, dem wird schnell klar, dass sie einfach nicht anders kann, als sich bei möglichen Verbrechen einzumischen – Auszeit hin oder her 😊 – Und ich selbst plane gerade wieder ein paar Tage am Gardasee ein….Oh, jetzt hab ich ja fast schon zu viel verraten…

 


Zum neuen Buch

Hast du jetzt Lust bekommen, mit der ebenso eigenwillig wie liebenswerten Edwina auf Ermittlungstour am Gardasee zu gehen und nicht nur La Dolce Vita sondern auch La Vita Pericolosa zu erleben? „Die Schlange von Sirmione“ ist überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Urlaubsfeeling (trotz Mordfall) inklusive!


Jetzt schlägts 12! Die Erfolgsgeschichte von Franz Gasperlmaier

Über eine halbe Million verkaufte Bücher, sehnsüchtig erwartete Fortsetzungen, glückliche Leser*innen: Herbert Dutzler schreibt mit seinen Altaussee-Krimis mehr als nur Geschichten. Haymon-Krimi-Verlagsleitung Linda Müller spürt einer besonderen Liebesgeschichte nach: jener zwischen Franz Gasperlmaier und den Krimi-Fans. 

Wie alles begann

„So etwas hatte selbst Gasperlmaier noch nie gesehen.“ Mit diesem Satz betrat ein Ermittler die Bühne, der sich heute, 12 Bände später, fest in die österreichische Krimilandschaft eingeschrieben hat: Franz Gasperlmaier. In seinem ersten Fall geht es ins Bierzelt, wo nach dem Altausseer Kirtag ein Erstochener aufgefunden wird. So etwas hat Gasperlmaier tatsächlich noch nie erlebt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt seit über 20 Jahren Polizist ist. Und mit diesem Fall tritt auch Dr. Renate Kohlross ins Leben des Franz, mit der sich, nach anfänglicher Eingeschüchtertheit des Franz durch ihr taffes Auftreten, eine lange und gute Arbeitsbeziehung und eine private Freundschaft entwickeln wird, die sich über viele Jahre und viele Fälle hält.

 

Being Franz Gasperlmaier: im Kopf eines Nachdenklichen

Franz Gasperlmaier ist nicht nur Polizist. Er ist auch Familienvater, er ist Ehemann, er ist Freund, er ist Nachbar, Gemeindemitglied, Feuerwehrmann und mittlerweile sogar Opa. Er hat sich über die Fälle und Jahre stark weiterentwickelt, ist ein guter Beobachter, der seine Beobachtungen aber nur mit Menschen teilt, die er gut kennt und denen er vertraut. Er ist jemand mit Mitgefühl, der verstehen kann, warum die Täter*innen, die er stellt, dort gelandet sind, wo er sie festnimmt. Er ist ein Mensch, der die Dinge nicht in schwarzweiß denkt und manchmal ein wenig braucht, um zu seiner eigenen Meinung zu finden und sich mit Veränderungen anzufreunden. Als sich beispielsweise seine Tochter outet, ist er zwar von seiner neuen Schwiegertochter angetan, sorgt sich aber zugleich auch, was die Kollegen bei der Feuerwehr denken könnten. Da braucht der Franz dann oft seine Christine, die ihm hilft, die Dinge klarer zu sehen und einen Standpunkt zu finden. Und wenn er den dann einmal gefunden hat, vertritt er ihn auch energisch. Jedenfalls dann, wenn ihm ein Thema wichtig genug scheint, die Stimme zu erheben.

 

Herbert Dutzler im Einklang mit dem Ausseerland. Foto: Monika Löff

Herbert Dutzler, geboren 1958, ist mit seinen Krimis um den Altausseer Polizisten Gasperlmaier Autor einer der erfolgreichsten österreichischen Krimiserien. Bisher erschienen bei HAYMONtb sind zwölf Fälle, zuletzt  „Letztes Glückskeks” im Jänner 2025. Mit seinen Kriminalromanen wie „In der Schlinge des Hasses“ (2022, HAYMONtb 2024) zeigt er, dass es in seinen Krimis nicht nur gemütlich zugeht. Er nimmt uns mit in die Köpfe jener, die zu Täter*innen werden. Dass Herbert Dutzler auch abseits der Krimiwelt ein versierter Schriftsteller ist, beweist der Erfolg von „Die Welt war eine Murmel“ (2020) und „Die Welt war voller Fragen“ (2023). Mit „Wenn die Welt nach Sommer riecht“ entführt er 2024 ein drittes Mal in die Zeit seiner Kindheit und Jugend.

„ein paar Schriftsteller, die es nicht lassen konnten, ein Buch nach dem anderen zu schreiben, das im Ausseerland seinen Schauplatz hatte“

Eigentlich mehr als Kulisse, sondern vielmehr ein spezieller Protagonist, ist die Region, in der Franz Gasperlmaier lebt und arbeitet: das wunderschöne Ausseerland. Die Region mit ihren idyllischen Seen und Bergen und dem gelebten Brauchtum ist ein auch literarisch viel bereister Sehnsuchtsort, die authentische Atmosphäre zieht nicht nur Einheimische in den Bann. Die Romane um Franz Gasperlmaier atmen den Geist dieser besonderen Gegend – und lassen uns auch deren Kulinarik auf der Zunge zergehen, zumal der Franz ein Feinspitz ist, was traditionelle Küche betrifft. Auch wenn ihn seine Tochter Katharina von Zeit zu Zeit von veganen Produkten überzeugt, nicht immer zu seinem Vergnügen:

„Während er aß, dachte er über das mit dem Rückgrat nach, was die Kathi gesagt hatte. Eigentlich, so musste er sich eingestehen, hatte er den ganzen Tag nur getan, was anderen eingefallen war, und er hatte mitgeholfen, es umzusetzen. Eigene Entscheidungen, und das war es ja wohl, was „Rückgrat“ bedeutete, waren keine dabei gewesen. Und jetzt kaute er sogar noch auf Sojawürfeln herum. Auch nicht gerade ein Zeichen von Rückgrat.“

 

Die Liebe von Herbert Dutzler zum Ausseerland ist deutlich zu spüren – aber er scheut sich auch nicht, die Schattenseiten zu betrachten: den Übertourismus etwa, der Landschaft und Bewohner*innen zum Teil ausbeutet, die enge Gemeinschaft, die es Zugezogenen nicht immer leicht macht, sich einzugliedern, die Vermarktung der eigenen Kultur, die ihre Blüten in billig produzierten „Traditionswaren“ aus dem Ausland treibt. Und dann gibt es da eben auch noch Schriftsteller, die ihre Bücher in Altaussee verorten – und damit noch mehr Tagestouristen anlocken, wie Franz Gasperlmaier in seinem aktuellen Fall bedauert. 😉

 

Spannung trifft Gemütlichkeit: Krimis zum Heimkommen

Es scheint fast so, als hätte Herbert Dutzler das Bestseller-Rezept gefunden für Kriminalromane zum Wohlfühlen: Seine Romane sind spannend, aber gleichzeitig nie so düster oder gar voyeuristisch in Bezug auf Gewalt, dass sie einem den Schlaf rauben. In jeder Geschichte steckt eine große Portion Humor, oft auf eine wunderbar trockene, österreichische Art, und eine Menge Situationskomik – wenn etwa das Ehepaar Gasperlmaier mit den Nachbarn diniert und Dr. Altmann in hohen Tönen die Prostata-Vorsorge-Untersuchungen des neuen Hausarztes lobt, der Gasperlmaiers Sohn ist – und Gasperlmaier bei der Vorstellung fast im Küchenboden versinkt. Das Personal aus Dutzlers Altaussee-Krimis ist vertraut geworden, den neuesten Band aufschlagen ist ein bisschen so, wie auf einen Familienbesuch nach Hause kommen und vermisste Menschen wiederzusehen – Franz Gasperlmaier, seine Frau Christine, die Kinder, Enkel und Schwiegerkinder, den alten Kollegin Friedrich, der plötzlich nur noch im Radldress anzutreffen ist, und den Dr. Altmann, der ohne Flachmann niemals das Haus verlässt. Außerdem natürlich die resoluten Kolleginnen von Franz, die mit ihm gemeinsam kein Verbrechen ungesühnt lassen: von Mord bis zur alkoholinduzierten Gartenzaunbeschädigung.

12 Fälle hat Franz Gasperlmaier schon gelöst – und in jedem ist er ein wenig über sich hinausgewachsen. Wir sind gespannt, in welche Verbrechen er in den nächsten Jahren stolpern wird – und freuen uns jetzt schon auf den nächsten Fall für Österreichs Ermittler der Herzen.

Was die Hallstätter können, können die Altausseer schon lange, denkt sich der Tourismusobmann, als er die chinesische Delegation zuerst beim Trachtenschneider ausstatten lässt und dann zu allerhand Highlights zwischen See und Loser bugsiert. Der Plan: Nachgebaute Altausseer Gebäude sollen im Reich der Mitte neue Märkte erschließen. Das ist nicht nur dem traditionsbewussten Gasperlmaier höchst suspekt. Als einer der Gesandten tot im Hotelpool treibt und dann verschwindet – noch schlimmer als eine Leiche ist keine Leiche, wenn eine da sein sollte – muss er sich die Frage stellen: Ist einem der demonstrierenden Einheimischen die Sicherung durchgebrannt oder stecken Drahtzieher von ganz anderem Kaliber dahinter?

Der Raab, der Metzger und ein Roman, der uns in einen skurrilen Mikrokosmos entführt – ein Interview mit Thomas Raab.

Nachdem des Metzgers Existenz in „Die Djurkovic und ihr Metzger“ (HAYMONtb 2023) in Schutt und Asche gelegt wurde, war es für ihn und die frisch angetraute Danjela Djurkovic an der Zeit, neu aufzublühen. Und wo könnte man den zweiten Frühling besser erleben als in einer Kleingartensiedlung? In etwa diese Gedanken muss Thomas Raab wohl gehabt haben, als er beschloss, seinen gleichermaßen schrulligen wie liebenswerten Willibald Adrian Metzger in „Der Metzger gräbt um“ (Haymon 2024) in ein Biotop voller Gartenzwerge, kleinlicher Gesetze und neugieriger Nachbarn zu verpflanzen. Im Gespräch erzählt uns Thomas Raab von seinen eigenen Erfahrungen im Schrebergarten, was all die ereignisreichen Jahre mit dem Metzger (und dem Raab) gemacht haben und mit wem sich der Metzger wohl ausgezeichnet verstehen würde.

Lieber Thomas, dieses Mal findet sich der Metzger unerwartet im Mikrokosmos Kleingarten wieder. Dass Ordnungsliebe und Vereinsmeierei hier mitunter eigenartige Blüten treiben, wissen wir seit Elisabeth T. Spiras Alltagsgschichte (Das kleine Glück im Schrebergarten, 1992). Du bist ja selbst kleingartenerprobt. Wie kann man sich den Alltag dort vorstellen? Was ist das Schrulligste, das dir zwischen Gartenzwergen und Hochbeeten untergekommen ist?

Thomas Raab: Das Leben im Kleingarten ist ein wenig so wie in einem kleinen Bergdorf. Abgeschieden, obwohl wir mitten in Wien sind. Unter der Woche und vor allem in den Herbst- und Wintermonaten sind wir mit unseren – zum Glück lieben – Nachbarn so gut wie allein. Wenn dann der Wochenendtourismus kommt und die Gärten wieder voller werden, dann kann man nicht nur den Pflanzen beim Wachsen zusehen, sondern auch den Menschen bei ihren Faxen. Ich versteh jetzt Leute, die auf ihren Fensterbrettern hängen und stundenlang in die Gasse schauen: bestes Kino! Das Schrulligste, was ich erlebe, ist eigentlich, wie ich mir selbst beim schrullig werden zusehen kann. Wie ich mich dabei erwische, völlig ungeniert schlampert in Haus- und Gartenklamotten zum Spar zu gehen und mir nichts mehr dabei denk. Wie ich aber davor zwei- oder dreimal überlege, ob ich jetzt wirklich aus dem Gartentürl rausgehen, oder nicht doch besser zu Hause bleiben soll, um im Garten herumzuschnippeln, zum x-ten Mal die Gartenhütte aufzuräumen oder einfach nur zu sitzen, zu schauen und zu schreiben. In die Stadt zu fahren, kostet mich oft riesige Überwindung. Irgendwie kommt es mir vor, der Schrebergarten hat einen Gulli und saugt mich auf, der Waschbeckenrand ist immer weiter entfernt, der Radius immer kleiner. Ich empfinde das irgendwie als angenehm.

Der Metzger begleitet dich ja schon seit 2007. Wie hat er sich während all dieser Zeit weiterentwickelt? Und wie hängt deine persönliche Weiterentwicklung, als sein Schöpfer, damit zusammen?

Thomas Raab: Das erfreuliche daran für mich ist: Er hat halbwegs gut all das verkraftet, was ich ihm angetan habe. Und ich glaube, er mag mich immer noch. Als Entschädigung habe ich ihn an der Seite einer wunderbaren Frau erleben lassen, wie sein Dasein plötzlich schöner wird. Ich habe ihn kurzfristig so eine Art Ersatzpapa sein lassen, ihm eine Halbschwester vor die Tür geknallt, ihn vom Hochgebirge bis zur italienischen Adria ermitteln lassen. Mir ist es beim Schreiben des neuen Metzgers schon aufgefallen, und gerade jetzt wieder, wo ich die Vorschau fürs nächste Frühjahr bekommen habe. Darin findet man „Der Metzger kommt ins Paradies“, den 6. Metzger-Band, der erstmals 2013 erschienen ist. Mir ist wie Schuppen von den Augen gefallen: In diesem Band wurde der Metzger 50, mittlerweile ist er 61. Ich sehe jeden Tag anhand meiner Kinder, wie die Zeit vergeht, an mir sehe ich es auch, an meiner Frau sehe ich es natürlich nicht, 😊, aber das hat mich kurz schon ein wenig aus der Fassung gebracht: Der Metzger wird älter. Und das macht etwas mit mir, durchaus im positiven Sinn.

 

Welche Gartenzwerge wohl in den Beeten von Thomas Raab stehen?

Thomas Raab, geboren 1970 in Wien. Schulzeit eher mühsam, wäre da nicht das Klavier gewesen, sozusagen Gratis-Psychotherapie. 1988 dann doch Matura. Danach erste Versuche als Liedermacher, Studienabschluss Mathematik & Sport. Es folgten 10 Jahre einerseits als Lehrer (weil es so schön war in der Schule), andererseits im Musical- und Musiktheaterbereich und als Singer-Songwriter. Seit 2007 Schriftsteller, zahlreiche Romane um den Restaurator Willibald Adrian Metzger (u.a. Haymon), vielfach ausgezeichnet, sowie „Still – Chronik eines Mörders“ (Droemer). Neben dem Metzger lässt Raab auch die betagte Hannelore Huber ermitteln, wie zuletzt in „Peter kommt später“ (KiWi).

Du schickst ja nicht nur den Metzger auf Verbrecherjagd, sondern auch deine Hannelore Huber, zuletzt in „Peter kommt später“ (KIWI, 2024). Inwieweit sind denn der Metzger und die Frau Huber Geschwister im Geiste? Wären die beiden im realen Leben befreundet?

Thomas Raab: Ich glaub die beiden wären sehr gut befreundet, wahrscheinlich würde die Huberin dem Metzger sogar das Du anbieten – was sie bei mir nie gemacht hat. Und wahrscheinlich würde sich der Metzger sogar trauen, sie zu duzen, was wiederum ich nie gemacht hätte. Zu groß war immer mein Respekt. Und ja, sie sind tatsächlich Geschwister im Geiste. Für Hannelore Huber war mit ihrem dritten Fall meine zu erzählende Geschichte abgeschlossen. Die Huberin lebt jetzt weiter gemütlich in Glaubenthal und wird von mir in Ruhe gelassen (vielleicht lass ich sie irgendwann mal auf dem Metzger treffen, keine Ahnung) … ABER weil ich ihr Gartendasein und ihre Liebe zur Natur beim Schreiben so schätzen gelernt habe, bekommt das jetzt der Metzger ab und lebt eben in einer Schrebergartensiedlung.

Gab es bei deiner Arbeit an „Der Metzger gräbt um“ Momente, in denen dich der Metzger oder seine angebetete Danjela überrascht haben, indem sie etwas taten oder sagten, das du ursprünglich nicht geplant hattest? Wie hast du darauf reagiert?

Thomas Raab: Das ist leider die Crux bei meinem Schreiben, ein bisschen das Problem, aber für mich auch das Wunderbare. Meine Figuren überraschen mich immer. Ich schreibe planlos, und sobald ich mir einmal Pläne mache, wischen mir meine Figuren eins aus und mir kommen während dem Schreiben völlig absurde Ideen oder rührende Gedanken und dann kann ich nicht anders und muss mich dem stellen. Ich bin jetzt nicht gerade der Mensch, der vor Selbstvertrauen strotzt, aber ich glaube, wenn ich verlernen würde, meinen Figuren zu trauen und sie loszulassen, wie so wilde, ungezügelte Pferde irgendwo in der Prärie, dann würde mir die Freude am Schreiben ziemlich rasch vergehen.

Der Metzger wurde ja bereits mehrfach verfilmt, als Fernsehserie mit Robert Palfrader und als Fernsehfilm mit Simon Schwarz. Und man hört, dass wir uns bald über einen neuen Film freuen dürfen. Hattest du vor den Verfilmungen beim Schreiben ein bestimmtes Bild vom Metzger und seinen Konsort*innen im Kopf? Wie ist es für dich, wenn der Metzger von anderen zum Leben erweckt wird?

Thomas Raab: Zum Ersten ist es eine unglaubliche Ehre, überhaupt zu Lebzeiten von einem Verlag, in diesem Fall Haymon, mit einer bereits vorhandenen Reihe neu verlegt zu werden. Die Bücher bekommen ein wunderschönes Aussehen und dürfen so noch ein wenig länger leben. Ein klein wenig ähnlich ist es in punkto Film. Es ist schon ein Jackpot, wenn du eine Romanverfilmung erleben darfst, aber eine Neuauflage deiner Reihe mit neuer Produktionsfirma, neuem Sender, neuer Besetzung, das ist schon ein Wunder. Robert Palfrader war ein fantastischer Metzger, so voll Feingefühl und Hingabe. Er hat sich sehr in meinem Kopf verankert. Ja und Simon Schwarz ist auf eine andere Weise grandios, ein fantastischer Schauspieler, er gibt dem Metzger eine kottaneske Seite, schaut dabei fast aus wie der junge Mundl, das Herz in den Augen. Eine Freude. Für mich als Autor aber nehmen die Filme und die Personen keinen Einfluss auf mein Schreiben, da ist mir meine Freiheit im Kopf viel zu wichtig. Es gibt keine größere Freiheit für mich als eben das Schreiben.

 

Du hast jetzt nicht nur Lust aufs Garteln, sondern auch aufs Lesen bekommen und würdest schon gern wissen, was da hinter den Ligusterhecken getuschelt wird (natürlich nur zum Zwecke der Mileustudie)? Dann hol dir schnell den neuen Metzger-Krimi von Thomas Raab: „Der Metzger gräbt um„, erhältlich im Buchhandlung oder auf der Haymon-Website.

Die Wiederholung der Urszene: eine Psychoanalyse des Krimis

Gastbeitrag von Edith Kneifl

Ist „Ödipus Rex“ von Sophokles eine Detektivgeschichte? Nein, und doch haben beide viel gemein. Die Krimi­nalliteratur beschäftigt sich mit ähnli­chen Themen wie die klassische Psycho­analyse: mit dem ödipalen Verbrechen, seiner Aufdeckung und der damit ver­bundenen Entdeckung der Schuld und der Angst. „Kriminalschriftsteller sind die Psychoanalytiker der menschlichen Schattenseiten“ formulierte Janwillem van de Wetering.
Auch Sigmund Freud machte in einer Vorlesung für Jura-Stu­denten auf die Analogie zwischen dem Verbrecher und dem Analysierten auf­merksam: „Bei beiden handelt es sich um ein Geheimnis, um etwas Verborgenes. Aber beim Verbrecher handelt es sich um ein Geheimnis, das er weiß und verbirgt, beim Analysierten um ein Geheimnis, das auch er selbst nicht weiß. Die Aufgabe des Therapeuten ist aber die nämliche wie die des Untersuchungsrichters. Wir sollen das verborgene Psychische aufdecken und haben zu diesem Zwecke eine Reihe von Detektivkünsten erfunden, von denen uns also jetzt die Herren Juristen einige nach­ahmen werden.“
Aber nicht nur die Arbeit des Detektivs erinnert an die Arbeit des Psychoanalyti­kers. Jede Detektivgeschichte läuft ähn­lich einer Psychoanalyse ab. Krimis bau­en Ängste auf, die dann am Höhepunkt der Spannung aufgelöst werden, was dem Leser Entspannung und Erleichterung verschafft. Durch die Identifikation mit dem Täter, Opfer oder Detektiv kann der Leser seinen eigenen Impulsen nachge­ben, seinem Voyeurismus freien Lauf las­sen und seine infantile Neugier befriedi­gen.
Sollte sich der Leser mit dem Detektiv identifizieren, winkt ihm als Belohnung ein mächtiges und untadeliges Über-Ich. Durch die Identifikation mit dem Opfer lebt er seine masochistischen Tendenzen zumindest in der Phantasie aus. Manchmal wird ihm dabei sogar das seltene Vergnügen gewährt, seinem eigenen Be­gräbnis beizuwohnen. In der Rolle des Opfers wird er, je nach Plot, die alten Ängste wieder durchmachen. Als verfolg­ter Täter hingegen ist es ihm erlaubt, seine aggressiven und sadistischen Gelü­ste wenigstens in der Phantasie auszule­ben.
Aber alles dies erklärt nicht hinrei­chend die Leidenschaft für Krimis. Der wesentliche Aspekt der Kriminalge­schichte ist ein anderer: Es wird eine intensive Neugier erweckt. Die menschli­che Fähigkeit zur Neugierde erreicht laut Sigmund Freud ihren ersten und inten­sivsten Ausdruck anläßlich der „Urszene“, der Beobachtung sexueller Szenen zwi­schen Erwachsenen durch das Kind. Hier also findet sich das wichtigste Element der Detektivgeschichte wieder: das gehei­me Verbrechen!

Edith Kneifl ist die Grande Dame der österreichischen Krimiszene und prägt diese seit Jahrzehnten entscheidend mit.

Durch die aktive Wiederholung der realen oder phantasierten gefährlichen Situation, die das Kind einst passiv und sehr schmerzhaft erduldet hat, versucht es, diese zu bewältigen, das ursprünglich traumatische Erlebnis unter seine Kontrolle zu bringen, seine Neugier und die in der Wiederholung erneut ausgelöste Erre­gung dieses Mal zu befriedigen. Die unbe­wußt arrangierte Wiederholung der Ur­szene kann auch in sublimierter Form erfolgen, zum Beispiel im leidenschaftlichen Lesen von Kriminalliteratur. Auch der Liebhaber von Kriminalgeschichten versucht aktiv, erlit­tene Erfahrungen wiederzubeleben und sie dadurch zu meistern.
Bei kreati­ven Menschen findet dieser Wunsch oft Ausdruck in subli­mierter Form, also in Form von künstleri­scher Produktion. Marie Bonaparte wies in ihrer dreibän­digen psychoanalyti­schen Studie über Edgar Allan Poe und seine Arbeit den enormen Einfluß des Urszenen-Traumas bei der Entstehung seiner Geschichten nach.

Der Detektiv befin­det sich in der glei­chen Lage wie das ödipale Kind. Er fie­bert vor Neugier und projiziert seine eige­ne Erregung und sei­ne Schuldgefühle auf das Objekt seiner Nachforschungen. Es ist kein Zufall, daß die großen Detektive dieses Genres, Sher­lock Holmes, C. Au­guste Dupin, Hercule Poirot und Lord Pe­ter Wimsey unverhei­ratet sind. Selbst Miss Marple war eine alte Jungfer. Sie alle sind nichts anderes als fiktive Repräsentan­ten des ödipalen Kin­des. Deshalb kann der Detektiv auch nicht als Familienoberhaupt dargestellt werden oder gar die herrschende Moral verkörpern. Das ödi­pale Kind ist nicht wirklich moralisch. Es ist nur clever. So clever wie eben ein Kind ist, bevor die Latenzzeit seine Neu­gier und seinen Wis­sensdrang dämpft.
In der inzwischen klassisch gewordenen Kriminallitera­tur gibt es zwei ver­schiedene Arten von Detektiven. Die amerikanischen Kollegen S. F. Bauer, L. Balter und W. Hunt unterscheiden in „die Eu­ropäer“ und „die Amerikaner“. In den zwanziger und drei­ßiger Jahren ent­stand in den Verei­nigten Staaten eine Version der Detektivgeschichte, die der europäischen, was Plot und Atmosphäre betrifft, durchaus ähnlich ist, auch wenn sie sozial enga­gierter und politisch korrekt sein mag. Daß sie einen wirkli­chen Neubeginn dar­stellte, liegt eher an der Figur des private-eye, der in die­sen sogenannten „hard-boiled“ Krimis nicht nur zum zen­tralen Charakter wird, sondern auch für den Leser von enormer emotionaler Bedeutung ist. Mit Hammetts Sam Spa­de und Chandlers Philipp Marlowe be­trat die USA das Par­kett der Kriminalliteratur, auch wenn Poe in Boston geboren wurde.
Die europäischen Detektive sind eher asexuell. Sie verhal­ten sich schwer neu­rotisch. Holmes und Poirot sind nicht nur narzißtisch gestört, sondern sicherlich auch Zwangsneuroti­ker. Die amerikani­schen Detektive, zum Beispiel die beiden, die Humphrey Bo­gart darstellte, sind dagegen sexuell aktiv oder zumindest sehr phallisch und vor al­lem für Frauen at­traktiv. Außerdem neigen sie zu Brutali­tät und Gewalt, wis­sen, ihre Fäuste und – wenn nötig – auch ihre Schußwaffen zu gebrauchen. Tatsäch­lich besitzen sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kriminellen, denen ihre eher intel­lektuellen europäi­schen Kollegen auf der Spur sind. Der amerikani­sche Detektiv bewegt sich selbst am Rande der Kriminalität und ist vielleicht gerade auch deswegen so faszinierend.
Die Krimi-Sucht der Europäer hat ihren Ursprung wohl eher in der Sucht nach Aufklärung. Im klassischen euro­päischen Kriminalroman steht immer das Rätsel und seine Lösung im Mittelpunkt – also das geheime Verbrechen.
Ebenso wie der europäische repräsen­tiert aber auch der amerikanische Detek­tiv das ödipale Kind. Da er seine Sexuali­tät jedoch nicht sublimiert wie sein euro­päischer Kollege, befindet er sich in viel größerer Gefahr als dieser, zum Kompli­zen des Täters zu werden. Doch gerade diese Triebhaftigkeit macht die amerikanische Detektivgeschichte emotional erre­gender als die europäische. Auch der amerikanische Detektiv wird nicht wirk­lich zum Verbrecher. Würde er tatsächlich am ödipalen Verbrechen teilhaben, dann wäre die Geschichte nicht länger eine Detektivgeschichte, sondern eine Art „Ödipus Rex“.
Die Urszene ist die dramatische Quint­essenz aller Ängste. Wie traumatisch sie erlebt wird, hängt davon ab, wie sie erfah­ren wurde: von der psychischen Entwick­lung des Kindes zu dieser Zeit, von der Beziehung zwischen den Eltern und von der Beziehung zwischen Eltern und Kind.
Aber egal, wie die Reaktion des Kindes aussieht: Sie hat immer Angst zur Folge. Ob es die Urszene verleugnet, akzeptiert oder teilnahmslos reagiert – die verdräng­te Erinnerung wird auf jeden Fall bis zu einem gewissen Grad mit einem schmerzvollen Effekt behaftet sein.
In der Kriminalliteratur wird dem Le­ser durch die graduelle Enthüllung der Indizien ein wesentliches Detail nach dem anderen dargeboten. Und schließlich wird das Verbrechen rekonstruiert, das Ge­heimnis gelüftet, das heißt: Die Urszene wird entlarvt. In einer Orgie von Nachfor­schungen kann das Kind im Leser, perso­nifiziert durch den großen Detektiv, schauen, erinnern und zusammenfügen – ohne Furcht und ohne Schande, im Ge­gensatz zu dem erschrockenen Kind, das Zeuge der Urszene war.
Die Kriminalgeschichte versucht also vom Standpunkt des Unbewußten aus, weniger schmerzvolle Urszenen zu inszenieren. Diese fiktive Urszene befriedigt vor allem die „Voyeure“. Aber der Voyeur wird durch sein Zuschauen nie vollkom­men zufriedengestellt. Er muß immer wieder hinsehen, so wie der Leser von Kriminalgeschichten unermüdlich diesel­be grundlegende mythische Erzählung von Mord, Schuld und Rache ohne Lange­weile liest, um Befriedigung zu erfahren. Wirkliche Befriedigung erlangen dabei weder Schriftsteller noch Leser oder Voyeur. Der Schriftsteller besitzt zwar we­nigstens die Kontrolle über das Gesche­hen, aber ebenso wie der Leser bleibt auch er immer nur Zuseher und nicht Teilneh­mer an diesem spannenden Ereignis.

Dieser Beitrag ist erschienen in Die Furche Nr. 26, Rubrik: Dossier, 26.6.2003.


Als ausgebildete Psychoanalytikerin begleitet uns Edith Kneifl in ihrem neuesten Werk in die Wiener Seele und bringt Licht in deren dunkle, verborgene und auch beunruhigende Ecken. Wir versumpfen in gemütlichen Absteigen, lachen laut auf, wo es in der guten Gesellschaft verpönt ist, und halten die Luft an, wenn sich die Ereignisse überschlagen. Was auch nicht zu kurz kommt: Liebesgeschichten, Intrigen, Skandale, kurzum: alles, was man an dunklen Herbstabenden braucht. „Der Wolf auf meiner Couch“ ist ab dem 19. September 2024 überall, wo es Bücher gibt, erhältlich.

 


„Ich wünsche mir mehr Diversität, also: mehr Autor*innen aus allen möglichen Welten, mit allen möglichen Hintergründen, mit verschiedensten Geschichten und Figuren. Sonst hat der Krimi keine Zukunft.“ – Till Raether im Interview

Wie alle Literatur verändert sich der Kriminalroman konstant, und immer wieder ist es notwendig, sich die Frage zu stellen: Welche Komponenten braucht ein Krimi, um zeitgemäß zu sein? Der Koblenzer Autor Till Raether spricht mit uns im Interview darüber, was einen „guten Krimi“ ausmacht und was gesellschaftspolitische Entwicklungen damit zu tun haben. 

Lieber Till, vor Kurzem wurde dein Roman „Die Architektin“ von der Hamburger Kulturbehörde zum „Buch des Jahres“ ausgezeichnet. Außerdem hast du u.a. ein großartiges Buch über Zuversicht geschrieben: „Hab ich noch Hoffnung, oder muss ich mir welche machen?“ Und natürlich kennt man deine beliebten Danowski-Krimis. Du bist also in verschiedenen Genres unterwegs. Seit wann schreibst du als Krimi-Autor und wie ist deine Faszination dafür entstanden?
Mein erster Kriminalroman ist 2014 erschienen, ich hab aber schon als Kind angefangen, Krimis zu schreiben. Ich erinnere mich an einen, der „Der Mörder kam im Leichenwagen“ hieß. Meine Mutter war treue Leserin und Sammlerin der rororo-Thriller, deren dunkle Einbände und die geheimnisvollen Titel haben mich von Anfang an fasziniert.

Der Krimi, wie wir ihn heute kennen, hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Friedrich Schiller war im deutschsprachigen Raum beispielsweise einer der ersten, der über Kriminalfälle schrieb. Wie nimmst du das Genre wahr? Hat es sich in deiner Wahrnehmung stark verändert in den letzten Jahren?
Ich finde es erstaunlich, wie groß der Unterschied zwischen Kriminalromanen und Krimis im deutschsprachigen Fernsehen ist. Während die Krimiliteratur eine große Bandbreite von Geschichten und Personen erzählt, wird im Fernsehen in den allermeisten Fällen die klassische Polizeierzählung mit Verbrechen, Ermittlung und Lösung erzählt, zwischendurch ein bisschen Privatleben und Sprüche. Ich glaube, durch die Fernseh-Krimis könnte der Eindruck entstehen, dass der deutschsprachige Krimi erstarrt ist, aber ich finde ihn recht lebendig und vielfältig.

In einem Vortrag bei der Tagung „Kriminalerzählungen der Gegenwart“ der Universität Bonn im April 2021, der auf 54Books nachzulesen ist, sagst du: „Noch viel realistischer über die Polizei zu schreiben, wäre eine Flucht in die Recherche. Aber noch viel literarischer über die Polizei zu schreiben, wäre eine Flucht in die Kunst. Was also soll ich tun, als Genre-Autor?“ Wie schaust du inzwischen auf deine bisherigen Bücher, deine Herangehensweise(n) und auf die deiner Kolleg*innen?
Ich persönlich habe meine Reihe über den Hamburger Kommissar Adam Danowski gerade mit dem siebten Band beendet, und am Ende verlässt Danowski die Polizei. Ehrlich gesagt auch deshalb, weil ich immer noch ratlos bin, wie man heute Polizei erzählen kann, ohne die ganze Zeit die gleichen Strukturen abzubilden und die gleichen Geschichten und Figurenkonstellationen zu wiederholen. Ich bewundere Kolleg*innen, die da länger durchhalten, aber ich finde andererseits, dass Ratlosigkeit auch keine Schande ist. Im Moment arbeite ich jedenfalls an einem psychologischen Thriller, bei dem die Polizei keine Rolle spielt.

 

Till Raether, geboren 1969 in Koblenz, arbeitet als freier Autor in Hamburg, u.a. für das SZ-Magazin. Er wuchs in Berlin auf, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Amerikanistik und Geschichte in Berlin und New Orleans und war stellvertretender Chefredakteur von Brigitte. Sein Sachbuch „Bin ich schon depressiv, oder ist das noch das Leben?“ stand 2021 wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Seine Romane „Treibland“ und „Unter Wasser“ wurden 2015 und 2019 für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert, alle Bände um den hypersensiblen Hauptkommissar Danowski begeisterten Presse und Leser*innen. Band 2 „Blutapfel“ wurde vom ZDF mit Milan Peschel in der Hauptrolle verfilmt, weitere Danowski-Fernsehkrimis sind in Vorbereitung. Till Raether ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Von der klassischen Detektivgeschichte bis hin zum Thriller, von Cozy-Crime bis Noir gibt es viele Facetten der Spannungsliteratur. Was braucht es, damit ein Krimi zeitgemäß ist?
Eine gewisse Bereitschaft, die Regeln des Genres oder des Sub-Genres hier und da zu durchbrechen. Und ich finde schon auch, dass ein gewisses Verantwortungsbewusstsein dazugehört, also, sich die Frage zu stellen, ob wir beim Krimischreiben zum Beispiel bestimmte Formen von Gewalt als Unterhaltung ausbeuten.

Nicht selten wird der Krimi als Trivialliteratur bezeichnet, ja, geradezu abgewertet. Wie lautet deine Antwort darauf?
Ich finde die Bezeichnung Trivialliteratur irgendwie völlig veraltet. Genreliteratur wie der Krimi folgt nun mal bestimmten Regeln, das heißt, es gibt Vereinbarungen zwischen Autor*innen und Leser*innen, dass bestimmte Erwartungen im Genre erfüllt werden. Trivial finde ich persönlich vielmehr Literatur, bei der Altbekanntes auf handwerklich lieblose Weise zum x-ten Mal wiederholt wird. Das gibt es außerhalb des Genres genauso häufig oder häufiger als innerhalb des Genres, nach meiner Leseerfahrung.

Uns, unsere Gesellschaft beschäftigen viele brisante Fragen. Sollen im Krimi-Genre aktuelle gesellschaftspolitische Themen ihren Raum finden, oder macht es für dich einen „guten Krimi“ aus, dass er zeitlos ist?
Ich denke, dass aktuelle gesellschaftspolitische Themen eigentlich immer die gleichen sind, weil es dabei immer um Machtstrukturen in der Gesellschaft geht. Darum kann ich heute noch die Sjöwall-Wahlöö-Krimis aus den Sechzigern und Siebzigern lesen, obwohl ich weit entfernt von der schwedischen Gesellschaft der damaligen Zeit bin. Ich finde eher Krimis altbacken und schnell veraltet, die die Gesellschaftspolitik ihrer Zeit ignorieren und nur Psychologie erzählen.

Wie würdest du die Zukunft des Genres einschätzen und was würdest du dir für den Krimi wünschen?
Ich wünsche mir mehr Diversität, also: mehr Autor*innen aus allen möglichen Welten, mit allen möglichen Hintergründen, mit verschiedensten Geschichten und Figuren. Sonst hat der Krimi keine Zukunft.

Welche(r) Krimi(s) hat/haben dich in letzter Zeit total begeistert?
Die Aosawa-Morde“ von Riku Onda, „Milchmann“ von Anna Burns und, völlig unbegreiflicherweise bisher nicht auf Deutsch übersetzt, „Lady Joker“ von Kaoru Takamura.

Wir haben deine Neugierde geweckt und du hast Lust auf noch mehr gemischte Krimis bekommen? Wirf einen Blick in unsere aktuelle Vorschau, hier kannst du weitere facettenreiche Bücher entdecken.